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C1 HOCHSCHULE — LESEVERSTEHEN TEIL 3

Wie lernen die Kinder eine Sprache

Lesen Sie den folgenden Text und die Aussagen 13–23. Welche der Aussagen sind richtig (R), falsch (F) oder gar nicht im Text enthalten (-)? Es gibt jeweils nur eine richtige Lösung. Markieren Sie Ihre Lösungen für die Aufgaben 13–23 auf dem Antwortbogen.

WIE LERNEN DIE KINDER EINE SPRACHE

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Eigentlich ist es ein Wunder! Dakommt ein kleiner Mensch auf die Welt und kann nicht viel mehr als schreien und kaum sind drei, vier Jahre vergangen, macht der kleine Mensch den Mund auf und sagt,Ich will jetzt Pfannkuchen mit Kirschen darauf essen,"Er stellt schlaue Fragen: Ist morgen der Tag nach dem schlafen?" und gibt kluge Antworten:,, Wenn man vier ist, kann man nicht drei sein".
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Was aber passiert in diesen Jahren zwischen ersten Schrei und erster Kleiner Nacherzählung? ,In dieser Zeit,, sagt der Freiburger Sprachwissenschaftler Professor Jürgen Dittmann,, bewältigt das Kind die Komplexeste all seiner Entwicklungsaufgaben." Tatsächlich gibt es in der Tier weit kein Kommunikationssystem, das auch nur annähend so anspruchsvoll ist wie die menschliche Sprache. Tiere kennen keine ausgefeilte Grammatik. Und sie haben auch anatomisch gar nicht die Möglichkeit, so viele unterschiedliche Laute zu produzieren wie wir Menschen.
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Babys beginnen schon sehr früh zu testen, was sie mit ihren,, Resonanzraumen" so alles anfangen können: Sie gunen und schmatzen,sie sagen..gagaga" und,,papapap". Und variieren immer mal die Tonhöhe. Bis zum sechsten Monat sind sie dabei international also offen für Laute aus allen Sprachen dieser Welt, egal ob es kehliges Arabisch ist oder afrikanische Klicklaute. Erst danach entscheiden sich Babys für das Lautsystem der Sprache, die um sie herum gesprochen wird.
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Doch wie geht es dann weiter? Wie kommt ein Kind von.,gagaga" und.papapap" zulch will Pfannkuchen mit Kirschen darauf"? Weitgehend einig sind sich die Experten darüber, dass die ersten Wörter, die ein Kind spricht vor allem auf Nachahmung beruhen. Die meisten Kinder haben nämlich Menschen in ihrer Nähe, die großzügig mit Worten um sich werfen. Sie sagen Sachen wie:,,Du bist aber süß"-, Guck mal, da ist ein Auto"- Oder:, Uhu, der Apfel ist sauer!" Und weil die Großen dabei oft ziemlich wichtig gucken, probieren die Kinder dann auch das eine oder andere Wort. Sie nehmen es in den Mund, drehen es mit der Zunge ein bisschen hin und her-und werfen es schließlich zurück,,Alfa, sagte Leo, als er 13 Monate alt war. Und,,daua". Leos Mutter fing die Wörter wieder auf,, Apfel, mein Sauer, das ist ein Apfel, der ist ganz sauer." so ging es hin und her.
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Kleine Kinder lernen solche Lautverbindungen bereits, wenn sie sie wenige Male gehört haben", sagt ürgen Dittmann.., Dabei vergleichen sie Formen, die sie schon kennen, mit neuer Lautverbindungen und entscheiden dann, ob Sie zur Müttersprache gehören oder nicht. Auf diese Weise legen sie sich im Kopf eine Art Wörter-Werkzeugkiste zu, mit der sie im Alltag spielen" Der nächste Schritt ist anspruchsvoller. Das Kind muss lernen, dass die Wörter in seinem Werkzeugkasten Bedeutungen haben. Dass sie für etwas stehen also Symbole sind. Und Dass man Wörtern auch Sachen benennen kann, die gerade nicht da sind-,, Objektpermanenz" sagen die Experimenten zu.Teese?" fragte Leg seine Mama dan auch mit Kann eineinhalb und meinte damit: Hast du nirgendwo einen von diesen runden Keksen, die so lecker sind ?"Bald wusste Leo auch, dass die laut schon mit Schwarz,,Staubsauger“ heißt. Und dass Sachen, die stinken, Räder haben und Krachen, Autos” sind-jedenfalls meistens.
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denn an Antrag der Brenennphase,,Auto` zu einem Traktor. Oder nennen jeden Man „Papa', der groß ist und eine liefe Stimme hat. Doch je öfter sie das Wort hören und benützen. Umso genauer wedern die Listen von Merkmalen, die das Kind dafür im Kopf hat. Leo zum Beispiel wusste ziemlich bald, dass Onkel Kurt zwar groß ist und eine tiefe Stimme hat, dass er aber trotzdem nicht,,Papa" heißt, denn Papa wohnt bei Leo zu Hause und Onkel Kurt nicht...
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So weit, so logisch. Doch damit kein Kind richtig sprechen lernt, muss es noch mehr können als Dinge benennen und Wörter sortieren. Es muss Sätze bauen. Und genau hier wird es kompliziert. Denn Sätze sind merkwürdig abstrakte Gebilde. Sie haben Strukturen, die das Kind so sonst nirgendwo in seiner Welt wieder finden, die immer neue Wort Kombinationen hervorbringen können. Und die viele Fallstricke haben. Nehmen wir nur Leos Einwand,,Dann haben die Leute hier die Eisse bestimmt alle aufgegessen" Woher weiß Leo, dass bei einem Satz, der mit.,dann" beginnt, erst das Hilfsverb.,haben" kommt und dann das Subjekt,Leute", während bei dem gleichen Satz ohne,,dann" erst das Subjekt kommt und dann das Hilfsverb:,Die Leute haben die Eisse bestimmt alle aufgegessen," Dass die Deklination von.,Eis" nicht regelkonform ist, wird Leo auch noch lernen.
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In der Spracherwerbsforscung gibt es dazu zwei konträre Theorien", sagt Jürgen Dittmann, „es gibt die Annahme, dass Kindern ein sprachliches Unversalprogramm in die Wiege gelegt wird, Der Linguist Steven Pinker hat es mal so formuliert: Kinder sind genetisch auf den Grammatikerwerb genauso vorbereitet wie die kleine Spinne auf den Netzbau ...Auf der anderen Seite gibt es aber auch die Theorie, dass die Grammatik von außen in das Kind kommt- also durch die Menschen, die mit dem Kind sprechen. Dieser Ansatz wurde in Leos Fall davon ausgehen, dass er einen ähnlichen Satz mit,dann' und Hilfsverb schon öfter gehört hat und sich dabei unbewusst ein Muster gemerkt hat."
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Beide Theorien haben Schwächen: Gegen die Instinkt-Theorie spricht, dass bisher noch niemand herausgefunden hat, auf welchem Gen die angenommene Universalgrammatik sitzt. Zwar kennt man seit einigen Jahren ein Gen. dessen Missbildung bei den Betroffenen massive Gramatikprobleme auslöst Wie jedoch grammatische Regeln vererbt werden können, weiß bisher keiner, bei der Umwelt- Theorie tragt man sich hingegen: Wie kommt es, dass Kinder ordentliche Sätze mit Nebensatzanschluss oder gar Passivkonstruktionen hinkriegen- obwohl die Menschen um sie herum Endungen verschlucken und zu faul für vollständige Hauptsätze sind?
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Um ehrlich zu sein: Wir wissen noch nicht genau, wie die Kinder das mit der Grammatik machen", sagt Jürgen Dittmann,..Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte." Vermutlich kam Leo also mit einer sprachlichen Grundausstattung auf die Welt: der kreativen Lust, die Welt zu begreifen und zu benennen. Mit dem Drang. Kontakt aufzunehmen und sich mitzuteilen. Und mit einem Geflecht von Neuronen im Kopf, die gerade in den ersten Jahren ganz gierig darauf sind, sprachlich Neuigkeiten zu verarbeiten und schon bei Leos Geburt enorme Speicherkapazitäten für all die vielen Laute. Wörter und Sätze seiner Umgebung hatten. Ja, und dann hatte Leo natürlich eine Mama, einen Papa, Omas, Opas, Ziehbrunnen und Kindergartenfreude, mit denen er geübt hat. Immer und immer wieder. Er hat viele Fehler gemacht, er wurde korrigiert und hat es neu versucht. Er hat sich Ähnlichkeiten gemerkt und unterschiede. Und irgendwann war er dann eben da, dieser Satz mit Hilfsverb, Partizip, Subjekt, Objekt, und alles in bester Ordnung. Leo, dafür hast jetzt eigentlich gleich zwei,,Eisse" verdient!

Ihre Antworten

13:Menschliche Sprache ist ein einzigartiges Kommunikationssystem.
14:Einige Tiere kommunizieren mit einer Sprache.
15:Bereits bei der Geburt ist anatomisch festgelegt, welche Sprache ein Mensch sprechen kann.
16:Nachahmung ist bei Schulkindern für den Spracherwerb entscheidend.
17:Kleinkinder wiederholen zuerst Laute und Wörter, die sie in ihrem Umfeld hören.
18:Für ähnliche Gegenstände oder Personen benutzen Kinder zunächst das gleiche Wort.
19:Leo kann sich mehr Wörter merken als andere Kinder in seinem Alter.
20:Steven Pinker zufolge lernen Kinder eine Sprache ausschließlich von den Eltern.
21:Die Genetik konnte bereits eine Ursache für Grammatik-Probleme bei einigen Menschen finden.
22:Über die genauen Mechanismen beim Spracherwerb herrscht bis heute Unklarheit.
23:Die Verwandten haben Leos Grammatikfehler nie korrigiert.
Welche der Überschriften a, b oder c trifft die Aussage des Textes am besten? Markieren Sie Ihre Lösung für die Aufgabe 24 auf dem Antwortbogen.
24:
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