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C1 HOCHSCHULE — LESEVERSTEHEN TEIL 3

Geisteswissenschaften Studium ohne Aussichten

Lesen Sie den folgenden Text und die Aussagen 13–23. Welche der Aussagen sind richtig (R), falsch (F) oder gar nicht im Text enthalten (-)? Es gibt jeweils nur eine richtige Lösung. Markieren Sie Ihre Lösungen für die Aufgaben 13–23 auf dem Antwortbogen.

GEISTESWISSENSCHAFTEN STUDIUM OHNE AUSSICHTEN

1
Ein Witz geht so: Zwei Männer sitzen an einer Kreuzung. Da kommt ein Reisender des Weges. Er spricht Sie freundlich auf Englisch an: Wo bitte der Weg Indienächste Stadt sei? Die Männer verstehen nicht. Da versucht es der Fremde auf Italienisch und Französisch. auf Russisch und Chinesisch. schließlich auf Hochbalinesisch. Kopfschütteln. Enttäuscht kehrt der Fremde um. „Der konnte aber Viele Sprachen“, sagt schließlich einer der Männer.,,Na und - hat's ihm was genützt?“. sagt der andere und zuckt mit den Schultern.
2
Es könnte auch ein Witz über Geisteswissenschaftler sein. die ins Berufsleben starten. Ihr fachliches Wissen interessiert in der Wirtschaftswelt oft keinen. Darauf, argumentieren Optimisten, komme es ja auch gar nicht an; vielmehr hätten Geisteswissenschaftler die viel gerühmten „Schlüsselqualifikationen“. Sie können Sich schnell neues, auch überfachliches Wissen erschließen. können kommunizieren, organisieren und analysieren. Damit bringen sie genau das mit. was in der globalen Wissensgesellschaft gefragt ist. die den klugen Umgang mit immer neuen Fragen verlangt und rucht das Abrufen fester Wissensbestände.
3
Geisteswissenschaftler sind in dieser Perspektive die Avantgarde am Arbeitsmarkt der Wissensgesellschaft; die Unternehmen müssten sie demzufolge eigentlich umwerben und bestens entlohnen. Tun sie aber nicht. im Gegenteil. Geisteswissenschaftler haben es bei Berufsstart und Karriere viel schwerer als zum Beispiel Betriebswirte und Ingenieure. Das ist nicht nur eine Sorge von Eltern. die zu viel über taxifahrende Germanisten gelesen haben. Es ist die Realität.
4
Als das Hochschul-Informations-System in Hannover Absolventen aller Fachrichtungen zehn Jahre nach Studierende befragte, wie es Ihnen ergangen sei, zeigte Sich: Die Geisteswissenschaftler verdienten ein Viertel weniger als der Schnitt der Absolventen und weniger als die Hälfte von dem, was der durchschnittliche Wirtschaftsingenieur aufs Konto bekommt. Ein Viertel der befragten Geisteswissenschaftler arbeitete in einem Job, in dem ein Hochschulabschluss nicht die Regel ist, und empfand de berufliche Position als nicht angemessen. Eine andere Untersuchung zeigt. dass Geisteswissenschaftler deutlich länger bis zur ersten regulären Stelle brauchen als andere Absolventen. Zudem fühlen sie sich überdurchschnittlich häufig unterfordert und verdienen auch schon zu Beginn weniger als ihre ehemaligen Kommilitonen.
5
In Untersuchungen zum Thema „Geisteswissenschaftler und Beruf kamen Forscher zu ernüchternden Ergebnissen: dass die hochwertige Ausbildung keinen hinreichenden Schutz vor Prekariat biete, dass hinter dem hohen Anteil von Selbstständigen auch Notgründungen vermutet würden und dass Geisteswissenschaftler, um nicht arbeitslos zu werden, häufig erhebliche Flexibilität und Konzessionsbereitschaft aufbringen müssten. Unabhängig Vom Geschlecht verspreche ein Studium der Geisteswissenschaften den geringsten beruflichen Erfolg. Das ist bitter. Was ist mit all jenen, die zurzeit für Geschichte, Literatur- oder Kulturwissenschaften eingeschrieben sind? Müssen se schnell noch umsatteln auf BWL, um sich nicht unglücklich zu machen?
6
Klara Sendler hat Geschichte, Literaturwissenschaften und Französisch studiert. Am Monatsende weiß sie manchmal nicht. wie sie das Essen zahlen soll. Knapp tausend Euro bleiben ihr im Monat zum Leben, Hätte sie sich am Ende des Studiums vorstellen können, dass es einmal so kommen würde mit dem Start ins Arbeitsleben? ,„Nein"sagt sie.,,Es ist besser gelaufen, als ich dachte.“ Besser? Ja, besser. Von einem „Traumjob" spricht Klara Sendler. Sie arbeitet als selbstständige Journalistin bei einer großen Tageszeitung. Sie tut das. was sie schon immer tun wollte. Und das Geld? „Es ist nicht gerade toll, aber es reicht“, sagt sie. Auf keinen Fall würde sie mit einem Betriebswirt oder Ingenieur tauschen wollen.
7
Klara Sendler Haltung ist typisch für viele Geisteswissenschaftler. „ich will etwastun, was mir Spaß macht". lautet das Motto - auch wenn es nicht so gut bezahlt ist. Abiturienten, die Geisteswissenschaften studieren wollen, geben viel häufiger als andere an, die „persönliche Entfaltung" sei für sie ein wichtiger Grund, um zu studieren. Die Aussicht auf einen sicheren Job und das Gehalt sind ihnen dagegen nicht so wichtig. Allerdings drückt diese Einstellung, wenn viele sie haben, die Preise, Und sie stößt an Grenzen. irgendwann kommen Kinder, muss man fürs Alter vorsorgen oder will mancher nicht mehr mit der Unsicherheit leben.
8
Die entscheidende Frage, aber lautet: Sind Geisteswissenschaftler glücklich mit ihrem Job? Denn nur, weil sie mehr Wert auf spannenden Beruf und weniger Wert aufs Geid legen.heißtja nicht automatisch, dass Ihre Arbeit auch tatsächlich erfüllend ist. Die Zehnjahresstudie des Hochschul- Informations-System gibt auch hier eine Antwort. Egal, ob es um die Arbeitsinhalte, das Arbeitsklima oder die Ausstattung des Arbeitsplatzes geht: Immer liegende Geisteswissenschaftler bie der Frage nach der Zufriedenheit unter dem Schnitt aller Absolventen.
9
Doch bevor man diesen Umstand betrauert,sollte man lieber nochmal genau auf die Zahlen schauen. Denn erstens handelt es sich bei der Abweichung nach unten oft um ein paar Prozentpunkte. Und zweitens Sind, absolut betrachtet, 78 Prozent der Geisteswissenschaftler mit den „Tätigkeitsinhalten“ ihrer Arbeit zufrieden. Vier von fünfen machen also das, was sie täglich tin, gerne Lasst man einmal das Vergleichen mit anderen Fachrichtungen, stehen Sie auch beim Einkommen nicht gar so schlecht da. Nach zehn Jahren verdienen sie durchschnittlich immerhin 49500 Euro. Die Zahlen zeigen: Für den Großteil ist es ganz gut gelaufen.
10
Geisteswissenschaftler zu sein sei ja auch eine Haltung. Sagen Betroffene. Wenn etwa Kulturwissenschaftler zusammen mit Betriebswirten Wirtschaftsvorlesungen besuchten. seien es immer die Kulturwissenschaftler, die die kritischen Fragen stellen würden: „Warurn ist das so? Sind diese Annahmen realistisch?“ Den Betriebswirten sei das eher egal, die würden das einfach lernen. Es Sei aber wichtig, die Dinge Zu hinterfragen.
11
Was aber können Geisteswissenschaftler tun. damit der Berufsstart nicht zu hart wird? Praktika während des Studiums.klar!Uta glaubit,Philosophin und eine von Deutschlands bekanntesten Berufsberaterinnen, spricht sich radikal dagegen aus: ,Gehen Sie keine Vorlesung. machen Sie kein Praktikum, ehe Sie Ihr Berufsziel definiert Sie Ihr Berufsziel definiert habe“. sagt Sie. Trotzdem muss man Verschiedenes ausprobieren. um zu wissen...? meint Uta Glaubitz. Der Weg muss das Ausprobieren sei. Der Weg sei nicht nur die Selbstreflexion. Habe man einmal ernsthaft entschieden, in welche Richtung es gehen solle. könne man alles darauf zuschneiden. nach und nach immer höherwertige Praktika machen und Seminararbeitsthemen entsprechend danach auswählen.
12
Da ist Sie mit einem Mal wieder. die leidige Frage: Was will ich einmal werden? Sie stellte Sich ja schon mal. Nach dem Abi. und für manchen war ein Geisteswissenschaftler Studium eine willkommene Möglichkeit. diese Entscheidung hinauszuzögern. Es ist paradox: Die Geistwissenschften ziehen Unentschlossene an, gerade weil sie keine frühe berufliche Festlegung erzwingen. Aber gerade Geistwessenschftler brauchen besonders Viel Entschlusskraft. einen funktionierenden inneren Kompass wiederum. weil das Fach nicht auf einen bestimmten Beruf vorbereitet Die stille Hoffnung in Entschluss werde schon irgendwie während des Studiums reifen. hält Uta Glaubitz für eine Illusion.
13
Marcellus Menke, Vorsitzender des Dachverbandes der Career Center an den deutschen Hochschulen, vertritt eine entspannender Perspektive. Er ermutigt Studenten, Verschiedene Berufswelten kennenzulernen. Ein Mythos seien die Erfolgsbiografien, die einen glauben machen alles sei einem stringenten Plan gefolgt. Aber auch Menke erzählt, wie er mit den ratschenden Studenten an den Anfang zurückgeht, Er versuche. den Prozess der Entscheidung für den Studiengang bewusst zu machen. Da würden Motivationen sichtbar, an die man dann anknüpfen könne. Dass die Ratsuchenden immer wieder auf sich selbst verwiesen werden, sie, kein Zufall. Es gebe einfach keine andere Antwort Jeder müsse bereits im Studium ein persönliches Forschungsprojekt mit der Fragestellung: Wo Will ich hin?

Ihre Antworten

13:Absolventen Geisteswissenschaften Studien haben häufig wertvolle überfachliche Kompetenzen.
14:Geisteswissenschaftler werden zunehmend auch von Wirtschaftsunternehmen umworben.
15:Geisteswissenschaftler fühlen sich bei der Arbeit häufiger überfordert als Absolventen technischer oder wirtschaftlicher Studien.
16:Die Qualität der Ausbildung scheint keinen Einfluss auf gute Verdienstmöglichkeiten zu haben.
17:Es ist anzunehmen. dass manche Geisteswissenschaftler sich nur deshalb selbständig machen, weil ihnen nichts Anderes übrig bleibt.
18:Selbstverwirklichung ist bei der Wahl der Geisteswissenschaften nicht wichtig.
19:Sind Geisteswissenschaftler meistens zufriedener als Abgänger anderer Studien.
20:Die Inhalte geisteswissenschaftlicher Studien sind zum Großteil überholt.
21:Wirtschaftsstudenten zeigen eine geringere Tendenz als Geisteswissenschaftler, Annahmen in Frage zu stellen.
22:Ute Glaubitz ist der Meinung, dass das Nachdenken über sich selbst wichtiger sei als das Reinschnuppern in verschiedene Berufe.
23:Geisteswissenschaften Studien sind besonders geeignet für noch unentschlossen Schulabgänger.
Welche der Überschriften a, b oder c trifft die Aussage des Textes am besten? Markieren Sie Ihre Lösung für die Aufgabe 24 auf dem Antwortbogen.
24:
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