Lesen Sie den folgenden Text und die Aussagen 13–23. Welche der Aussagen sind richtig (R), falsch (F) oder gar nicht im Text enthalten (-)? Es gibt jeweils nur eine richtige Lösung. Markieren Sie Ihre Lösungen für die Aufgaben 13–23 auf dem Antwortbogen.
Drittes und viertes Lebensalter im internationalen Vergleich
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Wer übernimmt die Verantwortung für die Alten? Die Familie? Die Gesellschaft? Der Einzelne? Eine Studie hat untersucht, wie sich weltweit das Bild vom Alter verändert. Andreas Kruse, Direktor des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg, führte im Auftrag des Bundesfamilienministeriums mit Unterstützung der Robert Bosch-Stiftung eine Untersuchung durch: „Altersbilder in anderen Kulturen“.
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Sein Team befragte Experten und viele ältere Frauen und Männer in Brasilien, Frankreich, Großbritannien, Japan, Kanada, Norwegen und den USA. Ergebnis: Das Thema Altern beschäftigt die untersuchten Länder auf politischer Ebene ähnlich stark. Menschen verschiedener Kulturen bewerten Senioren ebenfalls in ähnlicher Weise.
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Kontinentübergreifend unterscheiden Menschen heute zwischen jungen und „alten“ Alten. Die dritte Lebensphase wird mit Freiheiten, Bildung, Offenheit und Engagement verbunden. Das vierte Lebensalter hingegen wird stärker durch Grenzen wie Krankheit und Abhängigkeit geprägt. Zudem hängt die Wahrnehmung des Alters oft stärker von sozialer Schicht und Geschlecht ab als von Kultur.
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In unteren Sozialschichten wird Altern eher als Schicksal hingenommen. In Brasilien etwa pflegen Ober- und Teile der Mittelschicht ein starkes Jugendlichkeitsideal; das dritte Lebensalter wird oft ausgeblendet. Ganz Alte ziehen sich in Einrichtungen zurück und sind im öffentlichen Raum weniger sichtbar. In unteren Schichten dominiert Armut oft stärker als das Thema Alter.
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Kruse hebt bei Frankreich die intensive öffentliche Diskussion über alternde Menschen hervor. Dort wird dem Wohnumfeld im vierten Lebensalter große Bedeutung zugemessen, etwa mit intimen Wohngruppen für Alzheimer-Patienten. Rehabilitation wird stärker betont, und bei Hitzewellen werden rasch Notfallpläne für Ältere erstellt. Auch lebenslanges Lernen wird besonders gefördert.
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In anderer Hinsicht haben es ältere Arbeitnehmer in Frankreich schwieriger; ältere Männer sind dort seltener beschäftigt. In Japan sind deutlich mehr 65-Jährige noch erwerbstätig. Gleichzeitig zeigt sich, dass die familiäre Pflegeverpflichtung in Großstädten durch enge Wohnverhältnisse problematischer wird. Zudem sind Ältere im öffentlichen Raum nicht immer präsent.
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Da Japan stark altert, gibt es Programme zur Weiterbildung und Rückkehr in den Arbeitsmarkt („Second career“). In Norwegen profitieren Senioren von hoher finanzieller Absicherung durch staatliche Fonds. Das ermöglicht unter anderem eine ausgereifte Pflegeversorgung. Das Rentenalter wurde dort ebenso angehoben, und Bezahlungssysteme wurden leistungsbezogener gestaltet.
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Norwegen bietet zudem ein ausgebautes Bildungssystem für Ältere mit Angeboten zum Gedächtnistraining und Generationenaustausch. Dadurch übernehmen Ältere Verantwortung im öffentlichen Raum, und Jüngere zeigen Solidarität. Kruse betont zugleich, Deutschland müsse sich beim Altersbild und bei sozialer Sicherung nicht verstecken, auch wenn Lernpotenzial vorhanden ist.
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In vielen Ländern werden Menschen der dritten Lebensphase stärker in die Pflicht genommen: länger arbeiten, mehr Vorsorge treffen, gesellschaftliche Beiträge leisten und Kompetenzen einbringen. Dafür müssen sie ernst genommen und weitergebildet werden. Im vierten Lebensalter ist hingegen ein sensibler Umgang mit Verletzlichkeit entscheidend, etwa bei Demenz.
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Fazit: Alter ist nicht gleich Alter. Während jungen Alten mehr Eigenverantwortung übertragen wird, müssen Gesellschaften weltweit auf einfühlsame Weise für Hochbetagte sorgen. Familien allein und der Einzelne allein können dies nicht mehr leisten; die Gesellschaft ist gefordert.
Ihre Antworten
13:Andreas Kruse hat untersucht, wie Personen aus unterschiedlichen Kulturen alte Menschen sehen.
14:In den untersuchten Ländern gibt es unterschiedliche Sichtweisen auf das Alter.
15:Männer haben in allen Kulturen weniger Probleme mit dem Altern als Frauen.
16:In Brasilien ist in den niedrigen sozialen Schichten die Armut ein größeres Thema als das Alter.
17:Die Franzosen haben altersbedingte Risiken eher im Blick.
18:In Japan übernehmen alte Menschen noch immer wichtige Funktionen im öffentlichen Leben.
19:Dank reichlicher Öleinnahmen konnte in Norwegen das Rentenalter gesenkt werden.
20:In Norwegen sind die Alten zwar finanziell gut versorgt, können sich aber kaum in die Gesellschaft einbringen.
21:Deutschland hat im Umgang mit alten Menschen in jeglicher Hinsicht Defizite.
22:Zahlreiche Agenturen vermitteln Senioren, die sich freiwillig engagieren möchten.
23:Nicht nur die Angehörigen stehen in der Pflicht, sich um die Hochbetagten zu kümmern.
Welche der Überschriften a, b oder c trifft die Aussage des Textes am besten? Markieren Sie Ihre Lösung für die Aufgabe 24 auf dem Antwortbogen.