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C1 HOCHSCHULE — LESEVERSTEHEN TEIL 3

Reisen

Lesen Sie den folgenden Text und die Aussagen 13–23. Welche der Aussagen sind richtig (R), falsch (F) oder gar nicht im Text enthalten (-)? Es gibt jeweils nur eine richtige Lösung. Markieren Sie Ihre Lösungen für die Aufgaben 13–23 auf dem Antwortbogen.

REISEN

1
Wollte man einen Anfangspunkt des modernen Tourismus setzen, so läge dieser wohl im 18. Jahrhundert. Denn damals kam es in Adelskreisen und im wohlhabenden Bürgertum immer mehr in Mode, den Nachwuchs auf eine mehrjährige Reise durch Europa zu schicken, wo er seine Bildung und Sprachkenntnisse erweitern, Kunst und Architektur europäischer Städte kennenlernen, Kontakte knüpfen und Weltläufigkeit erwerben sollte.
2
Zwar gehörte die sogenannte Grand Tour schon seit dem 16. Jahrhundert zum Pflichtprogramm vieler junger Adeliger, die dabei große europäische Höfe und städtische Zentren sowie Universitäten und Akademien besuchten. Doch seit dem frühen 18. Jahrhundert erweiterte sich der gesellschaftliche Kreis der Reisenden immer mehr auf das Bürgertum. Die Grand Tour wird damit zu einem Vorläufer der Bildungsreise und sogar des modernen Tourismus.
3
Solche Reisen waren wegen ihrer hohen Kosten und anderer Schwierigkeiten jungen Männern (und selten auch Frauen) aus begütertem Hause vorbehalten. Der typische Reisende war jung, männlich und kam gerade von der Universität. Die langen Touren lockten mit großen Freiheiten und galten gesellschaftlich als akzeptiert. Sicher sein konnten die Reisenden jedenfalls, dass sie mit einem Anekdotenschatz zurückkehren würden.
4
Denn in diesen Zeiten war auch mitten in Europa Abenteuergeist gefragt. Weder Wellness-Hotels noch Bettenburgen existierten, Straßen waren in teils haarsträubendem Zustand. Während im 16. und 17. Jahrhundert noch zu Pferd gereist wurde, setzte sich im 18. Jahrhundert die Kutsche als Verkehrsmittel durch. Doch selbst in den luxuriösesten Kutschen war das Reisen wegen der schlechten Straßen äußerst strapaziös. Hinzu kamen lange Fahrtzeiten bei geringer Geschwindigkeit.
5
Bei den Vorbereitungen war große Sorgfalt notwendig. Allein die Organisation der langen Reise mit Schiffen, Kutschen oder streckenweise zu Fuß durch zahlreiche Stadtstaaten, Königreiche und Fürstentümer steigerte Aufwand und Kosten enorm. Außerdem mussten Reisepässe und Gesundheitszeugnisse häufig in großer Menge beschafft werden. Nicht selten wurden Reisende unterwegs ausgeraubt oder über den Tisch gezogen.
6
Entlang der Reiserouten entwickelte sich rasch eine touristische Infrastruktur. Schlafplätze boten kleinere Gasthöfe, Poststationen, teure Herbergen oder Privathäuser von Bekannten und Verwandten. Ohnehin gehörte es dazu, Netzwerke zu pflegen und zu erweitern. Außerdem war mindestens ein älterer Begleiter Pflicht, etwa Diener, Hauslehrer oder väterlicher Freund.
7
Zu den wichtigsten Reisezielen zählten London und Paris, aber das Herzstück der Reise war zweifelsfrei Italien mit seinen antiken Ruinen, Städten und Küstenregionen. Der Tourismus wurde dort zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Sein Einfluss auf den Kunstmarkt von Rom und Venedig ist nicht zu unterschätzen.
8
Auch wenn die Vorlieben unterschiedlich waren, etablierten sich Pflichtstationen, die jeder gesehen haben wollte, während weniger bekannte Orte oft ausgelassen wurden. Immer mehr Reiseberichte weckten in den höheren Kreisen die Lust auf Bildungsreisen, ein eigenes Genre entstand. Der Handel mit Reisebüchern wuchs, immer mehr Reiseliteratur wurde gedruckt.
9
Obwohl der typische Reisende ein junger Mann war, blieb die Grand Tour keine reine Männersache. Auch Damen machten sich auf den Weg, wie Wilhelmine Markgräfin von Bayreuth. Sie musste wegen diverser Krankheiten lange warten, bis sie ihre Reise antreten konnte. Erst mit Mitte 40 brach sie mit ihrem Mann nach Frankreich und Italien auf, begleitet von einem großen Gefolge.
10
Ausgedehnte Reisen wurden im Laufe der Zeit für wohlhabende Europäer immer üblicher. Im 19. Jahrhundert waren nicht mehr nur junge Männer mit Entourage unterwegs, sondern auch Familien, Paare und Ältere. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn in den 1840er Jahren wurde das Reisen preiswerter, einfacher und sicherer. Das Reisen bekam ein neues Gesicht: Ohne ein strenges Bildungsideal zu verfolgen, machten sich Menschen in die Fremde auf. Das Zeitalter des Tourismus begann.

Ihre Antworten

13:Schon im 16. Jahrhundert unternahmen junge Adelige Reisen zum Wissenserwerb.
14:Längere Reisen galten in dieser Zeit noch als gefährlich für Frauen.
15:Die lange Reisedauer bei der Grand Tour rief bei den Zeitgenossen oft Kritik hervor.
16:Der Umstieg auf Kutschen machte das Reisen nicht unbedingt zu einer komfortablen Angelegenheit.
17:Die Reisenden mussten sich alle mit bescheidenen Übernachtungsmöglichkeiten zufriedengeben.
18:Bei der Grand Tour verreisten die jungen Leute oft nur mit Gleichaltrigen.
19:Auch die Eintrittsgelder für Museen trugen in den besuchten Städten zum wirtschaftlichen Aufschwung bei.
20:Oft interessierten sich die Reisenden auch für Ziele, die abseits der üblichen Reisewege lagen.
21:Handelsreisende konnten neu entstehende Handelswege nutzen.
22:Wilhelmine von Bayreuth konnte ihre Reisepläne aus gesundheitlichen Gründen viele Jahre lang nicht verwirklichen.
23:Durch die besseren Transportmöglichkeiten im 19. Jahrhundert etablierten sich bald auch neue Reiseziele.
Welche der Überschriften a, b oder c trifft die Aussage des Textes am besten? Markieren Sie Ihre Lösung für die Aufgabe 24 auf dem Antwortbogen.
24:
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