Lesen Sie den folgenden Text und die Aussagen 13–23. Welche der Aussagen sind richtig (R), falsch (F) oder gar nicht im Text enthalten (-)? Es gibt jeweils nur eine richtige Lösung. Markieren Sie Ihre Lösungen für die Aufgaben 13–23 auf dem Antwortbogen.
JOHAN FRIEDRICH
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Bereits seit der Hochblüte der westchinesischen Kulturen (1122 bis 770 v. Chr) ist Porzellan als Produkt der Chinesen bekannt. Porzellan wurde in China nicht erfunden, sondern gilt als Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses. Auf mühevollen Wegen gelangten Porzellanteile ab dem 13. Jahrhundert durch Kaufleute, Forscher und Weltreisende wie Marco Polo nach Europa. Erst seit dem 17. Jahrhundert wurde Porzellan hauptsächlich über Holland importiert. Die Herstellung des damals sehr kostbaren Materials blieb jedoch das Geheimnis der Chinesen - in Europa musste es daher neu erfunden werden.
2
In Sachsen wurde das erste Porzellan im 18. Jahrhundert hergestellt. Der Porzellanmanufaktur Meißen, die vor 300 Jahren gegründet wurde, kam dabei eine Vorreiterrolle zu. Dieser Erfolg ist Johann Friedrich Böttger zu verdanken, dessen Namen heute kaum einer mehr kennt. Als er 1701 in einer öffentlichen Vorführung zwei Silbermünzen in Gold verwandelte, konnte der damalige Apothekerlehrling noch nicht die Folgen seines Tuns abschätzen.
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Die Möglichkeit, selbst Gold herstellen zu können, machte Böttger in den Augen der Mächtigen begehrenswert. Deshalb wurde er zum Gejagten. Da Gold sich nach heutiger Erkenntnis nicht künstlich herstellen lässt, ist anzunehmen, dass Böttger damals nur einen Taschenspielertrick zeigte. Ein Jahr nach der Vorführung fand sich Böttger als Gefangener von August dem Starken am sächsischen Hof wieder.
4
Dieser Herrscher war eine schillernde Figur. Der Kunst und den Frauen verfallen, zelebrierte er höfische Prachtentfaltung, baute prunkvolle Schlösser und gab sich einer ausgeprägten Sammelleidenschaft hin. Nicht zu vergessen seine ausgedehnten Kriegszüge, die Unsummen an Geld verschlangen. In einem Labor eingekerkert, experimentierte Böttger verzweifelt, um vielleicht tatsächlich den Stein der Weisen zu finden - das Geheimnis der Golderschaffung.
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Alle bemühten sich, Böttger den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Im sogenannten Goldhaus konnte er fürstlich residieren. Er hatte ein eigenes Billardzimmer und wurde direkt aus der Hofküche beliefert. Mittags und abends gab es fünf Gerichte nebst Wein und Bier für den vermeintlichen Goldmacher und seine Gäste. Nur Gold konnte er nicht machen.
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Langsam wurde August der Starke ungeduldig. Böttger musste Angst haben, denn Berichte über erfolglose Alchemisten, die man schwer bestraft oder gar gehängt hatte, häuften sich. Böttger machte in diesen Tagen Bekanntschaft mit einem Wissenschaftler namens Tschirnhaus. Für diese drei Männer, August, Böttger und Tschirnhaus, sollte bald schon das Porzellan zur Obsession werden.
7
Bis zum damaligen Zeitpunkt wurde das weiße Gold in millionenfacher Stückzahl über Holland aus China und Japan importiert. Jeder Fürstenhof, der etwas auf sich hielt, brauchte eine eigene Porzellansammlung. Um diesen Markt zu bedienen, suchte man überall in Europa nach einem Weg, Porzellan zu produzieren, um als Erster die vielversprechenden Gewinne einzufahren.
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Die Aussicht, das asiatische Monopol zu brechen, war für August den Starken ein faszinierender Gedanke. Durch seinen verschwenderischen Lebenswandel und gescheiterte politische Träume hatte er den Staat ruiniert. Als schließlich auch noch schwedische Truppen sein Land besetzten, schien der Monarch vor dem Aus zu stehen.
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Böttger hatte ihm zwar versprochen, Gold zu machen, doch konnte er dieses Versprechen nicht einlösen. Nach einigen Fluchtversuchen wurde er nach Meißen auf die Albrechtsburg gebracht. Dort sollte er zusammen mit Tschirnhaus an der Herstellung von Porzellan arbeiten. Als klar wurde, dass die Entschlüsselung des Rätsels in greifbare Nähe rückte, wurde allen Beteiligten strengste Geheimhaltung auferlegt.
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Während Böttger zunächst in Meißen blieb, forschte Tschirnhaus in Dresden weiter, und zeitgleich wurden an einem dritten Ort Experimente mit Brennöfen durchgeführt. 1707 gelang es der Gruppe schließlich zum ersten Mal, ein Gefäß aus Hartporzellan zu erzeugen. Nach dem Tod Tschirnhaus' setzte August der Starke Böttger als Nachfolger ein. Es galten weiterhin höchste Geheimhaltungsmaßnahmen.
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Am 23. Januar 1710 wurde schließlich die Königlich-Polnische und Kurfürstlich-Sächsische Porzellanmanufaktur gegründet. Um das weiße Gold von Kopien unterscheiden zu können, wurde es mit dem Symbol der gekreuzten Schwerter gekennzeichnet. Böttger wurde 1714 freigelassen, jedoch unter der Auflage, Sachsen nicht verlassen zu dürfen. Er starb 1719 an den Folgen einer Vergiftung, die er sich bei Laborarbeiten zugezogen hatte.
Ihre Antworten
13:Johann Friedrich Böttger täuschte bei einem Auftritt vor, aus Silber Gold erzeugen zu können.
14:Unter Arrest wurde Böttger zur Erforschung der Goldherstellung gezwungen.
15:Böttger genoss einen ausschweifenden Lebensstil auf Kosten des Herrschers.
16:Asiatisches Porzellan war als Statussymbol bei europäischen Adeligen sehr begehrt.
17:Die Qualität des europäischen Porzellans reichte nicht an die asiatisches Porzellans heran.
18:August der Starke hoffte darauf, sein Reich durch die Herstellung von Porzellan sanieren zu können.
19:1703 wurde Böttger auf der Flucht in Prag aufgegriffen und zurück in den Kerker gebracht.
20:Schließlich lüftete Böttger im Alleingang das Geheimnis der Porzellanherstellung.
21:Zeitweise wurden die Forschungen in getrennten Laboren durchgeführt.
22:Um das Geheimnis der Porzellanherstellung zu schützen, blieb Böttger bis an sein Lebensende an Sachsen gebunden.
23:Böttger hatte seine Gesundheit durch seine Experimente mit chemischen Substanzen ruiniert.
Welche der Überschriften a, b oder c trifft die Aussage des Textes am besten? Markieren Sie Ihre Lösung für die Aufgabe 24 auf dem Antwortbogen.