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C1 HOCHSCHULE — LESEVERSTEHEN TEIL 3

Sabbatical

Lesen Sie den folgenden Text und die Aussagen 13–23. Welche der Aussagen sind richtig (R), falsch (F) oder gar nicht im Text enthalten (-)? Es gibt jeweils nur eine richtige Lösung. Markieren Sie Ihre Lösungen für die Aufgaben 13–23 auf dem Antwortbogen.

Sabbatical

1
Die Bürotür hinter sich schließen und ganz lange nicht mehr öffnen, das ist laut einer Umfrage der Traum von mehr als der Hälfte aller Arbeitenden. Glaubt man dieser Befragung, so wünschen sich 58 Prozent eine längere Auszeit vom Job. Mit Waisenkindern basteln, um die Welt reisen oder ins Kloster ziehen. In Deutschland träumt jede zweiter berufstätige Person vom sogenannten Sabbatjahr. Das Sabbatical ist ein Arbeitszeitmodell für einen längeren Sonderurlaub. Der Begriff kommt von dem hebräischen Wort „schabat“ für aufhören oder ruhen.
2
Er wurde ursprünglich für ein Forschungssemester für Professoren an US-amerikanischen Universitäten geprägt. Später übernahmen auch die europäischen Hochschulen das Modell solcher Auszeiten. Vergleichbare Regelungen entwickeln sich zunehmend auch in der Wirtschaft, insbesondere in größeren Unternehmen. Bei den Chefs hierzulande hält sich die Begeisterung für das Sabbatical allerdings in Grenzen. Im letzten Jahr boten weniger als zehn Prozent der deutschen Unternehmen ihren Angestellten eine längere Auszeit an, ermittelte das Bundesfamilienministerium.
3
Oft scheitern die Pläne aber nicht am Vorgesetzten, sondern schon an der eigenen Risikobereitschaft: Was werden Kollegen, Nachbarn, Freunde sagen? Was passiert, wenn man wieder zurückkommt? Und kann man sich das überhaupt leisten? Im Folgenden erzählen drei, die es gewagt haben, von ihren Erlebnissen. Wie es ist, das Büro gegen die weite Welt zu tauschen, und was passiert, wenn man wieder nach Hause kommt.
4
Lili Pavlovsky reiste zwei Jahre lang allein um die Welt. Sie habe jahrelang wahnsinnig viel gearbeitet. Dabei sei die Arbeit keineswegs ihr Lebensinhalt gewesen. Im Gegenteil, sie habe immer sehr viele andere Interessen und Träume gehabt, erzählt die Managerin. Nach 20 Arbeitsjahren bei einem großen PC- und Druckerhersteller hatten sich ihre gesammelten Urlaubstage und Überstunden auf zwei Jahre summiert. Ihr Vorgesetzter wollte, dass sie mit der Pause noch warten solle, aber für sie galt: jetzt oder nie.
5
Nichtstun stand allerdings nie auf Lilis Programm. Sie hatte die Idee zu einem Malprojekt mit Kindern in SOS Kinderdörfern entwickelt und dafür sogar ihren Arbeitgeber als Sponsor gewonnen. Mit mehr als 250 Kindern aus vier Ländern entwarf und verkaufte sie Postkarten. Das habe wahnsinnig viel Spaß gemacht, sei aber auch unheimlich aufwändig gewesen. Teilweise habe sie genauso häufig vor ihrem Laptop gesessen wie in ihrem alten Job.
6
Schließlich wurden daraus zwei Jahre, unter anderem in Indien, Chile, Bolivien, Peru, Südafrika. Mittlerweile arbeitet sie wieder in ihrem alten Unternehmen. Die Auszeit habe sie verändert, meint Lili: Sie könne relevante Dinge besser von unnötigen unterscheiden. Sie denke nun öfter: „Stopp, mach ruhig, es geht hier nicht um Menschenleben.“ Dass sie allein gereist sei, sei nicht immer einfach gewesen, aber eigenständig entscheiden zu können sei ein besonderes Gefühl gewesen.
7
Florian Maeder arbeitet als Autor fürs Fernsehen. Ihn inspirierte ein Besuch in Uganda zu seiner Auszeit. Sein Arbeitgeber kam seiner Bitte sofort nach. Er bot Florian sechs Monate lang ein halbes Gehalt an. Dafür sollte er drei Monate in Vollzeit arbeiten und drei Monate Auszeit nehmen.
8
Er entschied sich für ein ehrenamtliches Engagement mit Kindern. Zunächst war er zwei Monate lang in einem Schulprojekt in Indien. Obwohl die Arbeit dort straff organisiert gewesen sei, habe er noch Zeit für eigene Interessen gehabt. Danach reiste er nach Nepal in ein Waisenhaus. Später unterrichtete er in Neu-Delhi 200 Kinder in Englisch, Mathe und Kunst. Er habe bleibende Kontakte geknüpft.
9
Mit der Armut konfrontiert zu sein, sei anfangs belastend gewesen, räumt Florian ein. Aber die Erfahrung habe ihn auch gestärkt. Beruflich habe ihm die Auszeit nicht geschadet; nach der Rückkehr wurde ihm die Position als Chefautor bestätigt. Viele in seinem Umfeld sagen, dass die Auszeit ihn positiv verändert habe. Er selbst meint, er sei kreativer und gelassener geworden.
10
Nesrin Yilmaz ist freiberuflich tätig. Während ihrer Auszeit hat sie vier Monate in New York ehrenamtlich für ein Kunstprojekt mit Jugendlichen gearbeitet. Anschließend lebte sie einen Monat lang in einem Kloster in Tennessee und arbeitete dort im Büro der Nonnen. Nesrin hat zwei Töchter (20 und 22 Jahre alt). Diese waren nicht wirklich begeistert: Einerseits fanden sie die USA-Idee toll, andererseits fühlten sie sich von der Mutter allein gelassen.
11
Der Aufenthalt in New York war sehr teuer, und Nesrin musste ihre Rentenreserven antasten. Bereut hat sie die Auszeit trotzdem keine Sekunde. Sie sei mutiger geworden, packe Dinge schneller an und werde demnächst ihr erstes Organisationsseminar auf Englisch halten.

Ihre Antworten

13:In Deutschland stehen die meisten großen Firmen dem Sabbatjahr eindeutig positiv gegenüber.
14:Häufig fehlt es den Angestellten an Mut, um eine Auszeit in die Tat umzusetzen.
15:Für Frau Pavlovsky stand jahrelang die Arbeit eindeutig im Vordergrund.
16:Frau Pavlovskys Kinderdorf-Aktion wurde finanziell von ihrer Firma unterstützt.
17:Während der zweijährigen Auszeit lernte Frau Pavlovsky, Prioritäten zu setzen.
18:Florian Maeder sammelte in Uganda Material für einen Dokumentarfilm.
19:Wegen des dichten Arbeitsprogramms blieb Florian Maeder beim indischen Schulprojekt zu wenig Zeit für Besichtigungen.
20:Beruflich hat Florian Maeder die Auszeit keineswegs geschadet.
21:Florian Maeder hat seine Vorhaben für ein weiteres Sabbatjahr schon mit seinem Arbeitgeber besprochen.
22:Nesrins Kinder nahmen die Pläne ihrer Mutter mit gemischten Gefühlen auf.
23:Um ihre Auszeit zu finanzieren, musste Nesrin Yilmaz auf ihre Ersparnisse zurückgreifen.
Welche der Überschriften a, b oder c trifft die Aussage des Textes am besten? Markieren Sie Ihre Lösung für die Aufgabe 24 auf dem Antwortbogen.
24:
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