Lesen Sie den folgenden Text. In welchem Textabsatz a–e finden Sie die Antworten auf die Fragen 7–12? Es gibt jeweils nur eine richtige Lösung. Jeder Absatz kann Antworten auf mehrere Fragen enthalten. Markieren Sie Ihre Lösungen für die Aufgaben 7–12 auf dem Antwortbogen.
In welchem Abschnitt ...
7drückt die Autorin Verwunderung aus?
8Gibt die Autorin einen Ratschlag?
9Möchte die Autorin mit reinen Fakten informieren?
10Möchte die Autorin unterhalten?
11Spricht die Autorin Warnungen aus?
12Stellt die Autorin eine Vermutung an?
HAUSTIERE: WIE DER MENSCHEN AUF DEN HUND KAM
A
Seit ich acht Jahre alt war, wünschte ich mir einen Hund. Denn meine beste Freundin Eva hatte zum Geburtstag einen Welpen bekommen: Cindy einen ziemlich langmütigen Yorkshire Terrier, der von ihr als Kopfschmuck eine rosa Schleife aufgesetzt bekam und sich sogar im Puppenwagen herumfahren ließ – sofern er als Belohnung ein Leckerli zu erwarten hatte. „Sowas kommt mir nicht ins Haus" beschied damals meine Mutter. Und schenkt mir zwei Meerschweinchen, weil ich lernen sollte, für Tiere Verantwortung zu übernehmen. Von da an hieß es täglich füttern, und Käfig saubermachen und in der Wiese Löwenzahn pflücken. Doch ich liebte die beiden heiß und innig und tat das alles gerne. Obwohl: Das Käfigputzen übernehmen dann doch bald meine Mutter. Später hatte ich keine Haustiere mehr, doch Eva ist heute noch immer eine passionierte Hundehalterin. Und sie ist damit keine Ausnahme: Viele Tierbesitzer haben innige Beziehungen zu ihrem Haustier, sehen in ihm treuen Freund, der ihnen Gesellschaft leistet oder gar ein Familienmitglied.
B
Wie beliebt Heimtiere in Deutschland sind belegt eine Studie. So lebt in rund 43 Prozent der deutschen Haushalte mindestens ein Haustier. Unter den 30 Millionen Heimtieren belegen Katzen mit 13 Millionen den ersten Platz, nach Katzen sind Hunde mit fast 9 Millionen die beliebtesten Haustiere, gefolgt von Kleintieren, also Tierarten wie Kaninchen, Meerschweinchen oder Hamster, auf dem vierten Platz finden sich Vögel, rund 4,2 Millionen flattern in deutschen Wohnungen herum. Die Tierliebe der Deutschen belebt auch die Wirtschaft: der deutsche Handel setzt mit Heimtierbedarf, vor allem mit Tiernahrung, rund 4,7 Milliarden Euro pro Jahr um. Nach Großbritannien ist Deutschland damit zweitwichtigste Markt der Branche in Europa.
C
Seit mehr als einem halben Jahrhundert versucht die Psychologische Forschung herauszufinden, was Haustiere so reizvoll macht. Denn die enge Beziehung zwischen Mensch und Tiere ist nicht bloß ein Phänomen unserer Gegenwart, sondern sie existiert schon erstaunlich lange. Wer hätte gedacht, dass schon unsere Urahnen in grauer Vorzeit im Hund einen treuen Begleiter hielten? Doch es ist nachgewiesen, dass der Wolf, von dem Hund abstammt, schon vor mindestens 15.000 Jahren domestiziert wurde, noch bevor der Mensch sesshaft wurde und mit der Viehhaltung und Landwirtschaft begann. Zunächst entstand eine lockere Zweckgemeinschaft zwischen den als Jägern und Sammlern lebenden Menschen und dem Wolf: Für den Wolf fielen in der Nähe der Menschen Beutereste ab, wenn sich ein gefährliches Raubtier näherte, alarmierte er diese durch seine Unruhe. Katzen schlossen sich dagegen den Menschen erst an, als diese in der beginnenden Jungsteinzeit sesshaft wurden. Zunächst lebten sie jedoch nur am Rande der Siedungen und vertilgten dort die Abfälle, die für sie übrigblieben. Auf diese Weise kamen Hund und Katze zum Menschen.
D
Das Zusammenleben von Mensch und Tier mag also zunächst zum beiderseitigen Vorteil geschehen sein, was jedoch nicht die Faszination erklärt, die unsere plüschigen Gefährten heute noch auf uns ausüben. Einige Psychologen gehen davon aus, dass unser Wunsch nach vierbeinigen Freunden genetisch festgelegt ist. Sie fanden heraus, dass sich Kleinkinder im Alter von ein bis drei Jahren lieber mit Tieren als mit Spielzeug beschäftigen. Wissenschaftler der Universität Bonn und das California Institute of Technology in Pasadena konnten sogar nachweisen, dass unsere Tierliebe neuronal verankert ist: Sie entdeckten in der Amygdala, einer für Empfindungen und die emotionale Bewertung von Situationen wichtigen Hirnregion Nervenzellen, die vor allem auf Tierbilder ansprachen. Erklärt dies möglicherweise, warum Haustierhaltung in nahezu sämtlichen Kulturen verbreitet ist? Diese Annahme könnte durchaus zutreffen. Die meisten Menschen weltweit gehen jedenfalls davon aus, dass Heimtiere starke Gefühle wie Angst und Freude empfinden. Aber liegt da nicht die Gefahr nahe, dass wir Tiere zu sehr vermenschlichen, indem wir ihnen unsere eigenen Gefühle zuschreiben und sie als etwas betrachten, was sie nicht sind? Und könnte nicht gerade für Haustiere dadurch die Stressbelastung steigen – weil sie doch im Grunde einfach nur Tier sein wollen? Denn natürlich können Tiere nicht die Ansprüche erfüllen, die Menschen an ihren Freund oder Partner richten. Ebenso haben sie ihre eigenen Bedürfnisse, die erfüllt werden müssen.
E
Eine interessante Spur verfolgen dabei Neuroforscher, die bildgebende Verfahren nutzen, um das Trotzdem sollte man aber nicht vergessen: Tierische Gefährten tun uns einfach gut. Wenn man heimkommt und von einem fröhlich wedelnden Hund begrüßt wird, fühlt man sich gleich wohler, und das Herumtollen mit ihm sorgt sogar für Glücksgefühle. So konnten Forscher nachweisen, dass der Mensch dabei das als Bindungshormon bekannte Oxytocin ausschüttet, das soziale Interaktionen und die Stressregulierung beeinflusst. Darüber hinaus haben Tiere, wie viele Studien beweisen, positive Auswirkungen auf die Gesundheit: sie halten uns fit, helfen gegen Einsamkeit und heben die Stimmung. Aus all dem lässt sich also ableiten: Die enge Beziehung zwischen Mensch und Tier bringt und viele Vorteile. Man sollte dabei aber vor allem darauf achten, dass das Tier artgerecht und zufrieden leben kann. Denn nur ein glückliches Tier kann auch dem Menschen Freude bereiten.
Ihre Antworten
7:drückt die Autorin Verwunderung aus?
8:Gibt die Autorin einen Ratschlag?
9:Möchte die Autorin mit reinen Fakten informieren?