Lesen Sie den folgenden Text. In welchem Textabsatz a–e finden Sie die Antworten auf die Fragen 7–12? Es gibt jeweils nur eine richtige Lösung. Jeder Absatz kann Antworten auf mehrere Fragen enthalten. Markieren Sie Ihre Lösungen für die Aufgaben 7–12 auf dem Antwortbogen.
In welchem Abschnitt ...
7bezieht der Autor entschieden Position?
8formuliert der Autor eine Warnung?
9möchte der Autor die Leser unterhalten?
10relativiert der Autor zuvor getroffene Aussagen?
11stützt sich der Autor auf eine fremde Autorität?
12wird der Autor sentimental?
FERNSTUDENTEN: EINSAM, ABER VIRTUELL VERBUNDEN
A
Ein Fernstudium war noch nie eine besonders gesellige Angelegenheit: Schon in der Anfangszeit, kurz nach der Gründung der ersten Fernhochschulen in den siebziger Jahren, hockte man wie der typische einsame Gelehrte abends im Studienstübchen, hinter Papierstapeln, die nicht kleiner werden wollten, juristischen oder medizinischen Fachvokabular, Geschichtsdaten oder Formeln pauken, bis der Kopf rauchte. Und wenn alle paar Wochen der Briefträger mit einem großen, schweren, geheimnisvoll wirkenden Paket kam, fragten sich die Nachbarn vielleicht, welchem seltsamen Hobby man wohl nachgehe. Nun, das Paket enthielt weitere Papierberge, „Studienbriefe" mit mehreren hundert Seiten Lernmaterialien, die die Fernhochschule verschickte. Fernstudium bedeutete damals vor allem: Warten auf den Briefträger. Statt gemeinsam mit Kommilitonen in mündlichen Prüfungen oder Klausuren ihr Wissen unter Beweis zu stellen, arbeiteten die Studenten zu Hause „Einsendearbeiten" durch: Blätter mit Aufgaben, die sie mit der Post an ihren Professor schickten. Persönlich bekamen sie ihn der Regel nicht zu Gericht.
B
Diese Zeiten sind zu Glück schon lange vorbei, doch damals wie heute ist des Fernstudiums, nämlich die räumliche Flexibilität, gleichzeitig sein größte Nachteil: Das einsame Lernen überfordert viele Fernstudenten. Martin Kern, Professor für Mediendidaktik, betont, wie wichtig die soziale Interaktion mit Lehrpersonal und mit Studierenden für die Lernerfolg sei. Dass die Abbruchquoten je nach Fernstudienanbieter bei 30 bis 70 Prozent liegen, führt er auch auf die soziale Isolation vieler Lernenden zurück. Zum Glück des technischen Fortschritts etwas entgegengewirkt werden. Kaum ein Fernstudienanbieter mehr, der keinen virtuellen Campus im Internet anbietet. Online-Lerngruppen, Web-Tutorien oder Internetforen, in denen es sich gemeinsam lernen lässt. Und kaum ein Anbieter, der sich nicht damit schmückt und in teuren Hochglanzbroschüren mit seinen innovativen Lernmedien wirbt. Doch ist auf dem digitalen Campus wirklich alles Gold, was glänzt?
C
Einerseits sind die Bedingungen für ein Fernstudium heute natürlich weitaus besser als in den Anfangszeiten. Andererseits aber findet man, wie überall in der digitalen Welt, Zusammenhalt und Nähe nur in einer reduzierten technisch unterkühlten Form. Vieles fehlt, was zumindest für mich immer den Reiz des Studentenlebens ausgemacht hat: Gern denke ich zurück an tiefgründige Gespräche in der Cafeteria und legendäre Studentenpartys, die heute noch Stoff für zahlreiche Erinnerungen bieten. Es war eine Bereicherung mit Kommilitonen und Kommilitonen die Köpfe über schwierigen Aufgaben zusammenzustecken oder stundenlang zu diskutieren – in personal freilich, am besten bei einem Abendessen im Studentenwohnheim. Diese Zeit hat mich geprägt, in dieser Zeit habe ich Freunde fürs Leben gewonnen. Online-Kontakte können all dies niemals ersetzen, davon bin ich fest überzeugt.
D
Anders sieht es freilich bei Berufstätigen aus, die schon immer den klassischen Kunder Studienanbieter bildeten. Die oben geäußerten Vorbehalte laufen hier natürlich ins Leere, keine andere Möglichkeit zu studieren hätten. Sie haben eben nicht die Wahl zwischen Präsenzstudium. Und eines muss man zugeben: Wer neben dem Fernstudium berufstätig Verpflichtungen nachgeht, besitzt einen entschiedenen Wettbewerbsvorteil: Zeigt sie Doppelbelastung doch wichtige Soft Skills wie Durchhaltevermögen, gutes Zeitmanagement Motivation, welche von Personalentscheidern positiv bewertet werden.
E
Auch die Berufstätigen bezahlen ihr Fernstudium und den Erfolg, den sie sich da Einsamkeit: Denn ohne den Rückzug in die Einsamkeit und Stille lässt sich ein solche bewältigen, auch wenn man online mit vielen andern verbunden sein kann. Sozial Zeitaktivitäten stehen in dieser Zeit nicht an erster Stelle darüber sollte man die Doppelbelastung vor Beruf und Studium besteht sogar die Gefahr, dass eine Milienleben schaden nehmen oder gar daran zerbrechen könnte: Ein Fernstudium doch egal, ob berufsbegleitendes oder hauptberufliches Fernstudium, am Ende auf der heimischen Couch den Master machen will, braucht auch heute noch die dest es ein wenig mit der Lebensweise eines einsamen Gelehrten anzufreunden.
Ihre Antworten
7:bezieht der Autor entschieden Position?
8:formuliert der Autor eine Warnung?
9:möchte der Autor die Leser unterhalten?
10:relativiert der Autor zuvor getroffene Aussagen?
11:stützt sich der Autor auf eine fremde Autorität?