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C1 HOCHSCHULE — LESEVERSTEHEN TEIL 2

Eltern von heute

Lesen Sie den folgenden Text. In welchem Textabsatz a–e finden Sie die Antworten auf die Fragen 7–12? Es gibt jeweils nur eine richtige Lösung. Jeder Absatz kann Antworten auf mehrere Fragen enthalten. Markieren Sie Ihre Lösungen für die Aufgaben 7–12 auf dem Antwortbogen.

In welchem Abschnitt ...

7 spricht die Autorin eine Empfehlung aus?
8 möchte die Autorin zur Selbstreflexion anregen?
9 möchte die Autorin zur Belustigung beitragen?
10 möchte die Autorin durch eine sachliche Definition informieren?
11 drückt die Autorin Bewunderung aus?
12 bringt die Autorin Erstaunen zum Ausdruck?

ELTERN VON HEUTE

Kann übermäßige Fürsorge schaden?

A
Eltern können anstrengend sein. Wer im Kindergarten, in der Schule oder im Sportverein tätig ist, weiß das. Das richtige Essen, die passenden Noten, die beste Förderung – all das fordern besorgte Mütter und Väter ein. Natürlich wünschen sich alle Eltern für ihre Sprösslinge das Beste, und das war sicher zu allen Zeiten so. Dennoch: Der Erziehungsstil so mancher Eltern von heute, der geprägt ist von zum Teil zwanghafter oder paranoider Überbehütung und exzessiver Einmischung in die Angelegenheiten des Kindes oder des Heranwachsenden, weckt Befremden und Verwunderung, ist es eigentlich nicht recht merkwürdig, dass diese überfürsorglichen Eltern sich ständig in der Nähe ihrer Kinder aufhalten, umsiedeln zu überwachen und zu behüten, ähnlich wie ein Beobachtungs-Hubschrauber – weshalb sie auch Helikopter-Eltern genannt werden? Mit dem Wirbel, den sie dabei veranstalten, sind sie ein schier unerschöpfliches Thema für Anekdoten.
B
Etwa die von dem Siebtklässler, der mit zwei Mädchen ins Kino gehen wollte. Allerdings hatte er nicht mit seinen Eltern gerechnet, die eine Bedingung stellten: Die Mutter würde ihnen inkognito folgen. Was für ein entspannter Ausflug für einen Teenager! Als die Deckung aufzufliegen drohte, stellte sich die Frau als eine Nachbarin vor. Auch nicht schlecht: Eltern, die einen 50 Jahren alten Apfelbaum im Garten fällen, weil ihrem Kind kein Apfel auf den Kopf fallen sollte. Und dass bei schlechten Noten so manche Familien den Lehrern gleich mit dem Anwalt droht, ist ohnehin nichts neues mehr, wenn sie sich nicht gleich direkt an die Schulaufsicht oder das Ministerium wenden. Ganz unangenehm sind auch solche Eltern, die ihre Lieblinge in dicken Autos bis vor die Schultür karren. Rücksichtslos versperren sie Gehwege und bringen damit andere Kinder, die zu Fuß kommen, in große Gefahr. Das sind die gleichen Eltern, die auf Elternabenden in der Schule regelmäßig darum gebeten werden müssen, doch bitte nicht die Berufsausbildung ihrer Kinder einmischen oder ihren wie ein Schatten bis an die Universität folgen und sich dort womöglich noch – als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt – erkundigen, wann der erste Elternabend stattfindet.
C
Wichtig ist, die Kinder Fehler machen zu lassen. Sie müssen auch mal scheitern, brauchen mal ein aufgeschürftes Knie. Nur so können sie lernen, zukünftig weitere Fehler zu vermeiden. Denn um seelische Widerstandsfähigkeit – die sogenannte Resilienz – zu erlernen, muss ein Kind auch mal einen Fehltritt erleben. Es ist ähnlich dem Aufstehen. Darf ein Kind nie stolpern oder gar hinfallen, weil man es lenkt und vorzeig auffängt, wird es später, wenn die Eltern nicht hinter ihm stehen und es wie eine Marionette führen, nicht nur den ersten Sturz allein erleben müssen, ohne Trost oder Halt, es wird auch nicht wissen, wie es gleich wieder aufstehen und weitergehen kann, sondern einfach liegen bleiben. Mann sollte Kinder also eigene Erfahrungen machen lassen und ihnen nicht jede Schwierigkeit, die es zu überwinden gilt, abnehmen.
D
Nach Einschätzung des Psychotherapeuten Martin Kleiser aus Freiburg tendieren rund 15–20% der Eltern zu extremer Überbehütung. Ein Grund dafür sei die Sorge um die Zukunft der Kinder. Viele Pädagogen sehen diese Sorge besonders in (ein Kind) Familien. Helikopter-Eltern hätten, deren Schützlinge auf eine Ganztagsschule gingen. In diesem Fall diene das Helikoptern als Ausgleichshandlung. Da die Eltern den ganzen Tag nicht persönlich für ihre Kinder da seien, überschütteten sie ihre Sprösslinge nach Feierabend mit Liebe und Fürsorglichkeit. Die Pädagogen Simon Mann dagegen macht das Schulsystem verantwortlich, das die Mitarbeit der Eltern gerade zu einfordere und in dem sich viele Familien alleingelassen fühlen. Der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Schulze aus Hamburg jedoch sieht die Sachlage entspannter: „Ich freue mich sehr darüber, dass Eltern fürsorglicher geworden sind," meint er. „Es gibt überhaupt keine Hinweise, dass unsere Kinder lebensunfähiger oder psychisch instabiler geworden sind. Man dürfte die Beziehung, die in vielen Familien sehr gut sei, nicht diskutieren."
E
Doch Hand aufs Herz, wer hat sich nicht schon mal selbst dabei ertappt, wie er es mit der Fürsorge übertreibt? Eltern, die ihren Kindern etwas zutrauen, brauchen keinen Handys, die per GPS das Kind orten können. Sie wissen, dass sie sich auf ihren Nachwuchs verlassen können. Kinder brauchen Mut und Zutrauen. Das ist nicht einfach für uns Eltern. Vielleicht hilft es, sich an die eigene Kindheit zu erinnern. An die Freude daran, im Garten mit den anderen Kindern eine Hütte zu bauen, an den Ball, der in den Tümpel gerollt war und den man herausfischte, obwohl das verboten war. An vielen kleine Krisen, die gemeistert wurden, waren unsere Eltern lockerer, unbesorgter oder unbedarter? Auf jeden Fall mutiger. Sätze wie: „Ach mein Kind kann das schon," hörte man häufiger. Heute erkennen wir, dass sich hinter einer solchen Gelassenheit eine sehr souveräne Haltung verbirgt: diese beruht auf der Fähigkeit, den eigenen Kindern wie auch dem eigenen Urteil zu vertrauen. Je mehr man darüber nachdenkt, umso mehr Respekt empfindet man vor der Stärke, die unsere Eltern damit demonstriert haben. Denn es ist überhaupt nicht einfach, Kindergartenkinder und kleine Grundschüler alleine durch die Gegend strömen zu lassen. Aber vielleicht können auch wir es wieder lernen.

Ihre Antworten

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