⚠️ Inaktivität erkannt. Abmeldung in 30s

C1 HOCHSCHULE — LESEVERSTEHEN TEIL 2

Ehrenamt in Gefahr

Lesen Sie den folgenden Text. In welchem Textabsatz a–e finden Sie die Antworten auf die Fragen 7–12? Es gibt jeweils nur eine richtige Lösung. Jeder Absatz kann Antworten auf mehrere Fragen enthalten. Markieren Sie Ihre Lösungen für die Aufgaben 7–12 auf dem Antwortbogen.

In welchem Abschnitt ...

7 wird auf die Konkurrenz von Ehrenamt und Nebenjob hingewiesen?
8 wird auf mögliche negative Auswirkungen des Ehrenamtes auf das Studium hingewiesen?
9 wird das Ehrenamt als sehr wichtig bei der Arbeitssuche bezeichnet?
10 wird gezeigt, dass es an einer bestimmten Uni Hilfe für ein Engagement neben dem Studium gibt?
11 wird gesagt, dass man mit einer guten Planung die Probleme der Mehrfachbelastung lösen kann?
12 wird kritisiert, dass man in den Lehrveranstaltungen anwesend sein muss?

EHRENAMT IN GEFAHR

A
Die Einführung von Studiengängen mit Bachelor- und Master-Abschluss hat das Studium schneller gemacht. Frage: Fehlt Studenten dadurch die Zeit für Engagement außerhalb der Universität, z. B. ein Ehrenamt? Ein Ehrenamt ist eine freiwillige Tätigkeit von einigen Stunden pro Woche, die nicht bezahlt wird. Die Entlohnung ist nur die damit verbundene Ehre und Anerkennung. Ist das überhaupt noch attraktiv? Bens Terminplan glänzt nicht gerade vor Freizeit, das Gegenteil ist eher der Fall. Der 22-Jährige sieht das Ganze hingegen etwas lockerer: „Alles eine Frage der Organisation. Man kann das gut schaffen." Ben gehört zu den Studenten, die ein Bachelorstudium absolvieren, und zwar an der Technischen Universität München im Fach Engineering Physics. Wie kann man sich so ein Bachelorstudium nun konkret vorstellen? Schauen wir uns einfach mal Bens Alltag genauer an: Montags hat er Uni von 8 bis 20 Uhr, inklusive Spanisch kurs. Dienstag verbringt er so um die acht Stunden an der Uni. Zwischendurch, wenn mal Pause ist, schaut er im IKOM-Büro vorbei, IKOM ist das so genannte Industriekontaktforum der Technischen Universität München, eine Studenteninitiative, die 1989 jährlich ein Karriereforum an der Uni organisiert. Seit vier Semestern arbeitet Ben ehrenamtlich für die IT-Abteilung bei IKOM. Für die dafür anfallenden Programmieraufgaben bleibt, wie er zugibt, meist nur das Wochenende übrig. Apropos, wo waren wir bei Bens Wochenplanung stehen geblieben? Beim Mittwoch. Eigentlich hätte er an diesem Tag frei, aber er jobbt lieber bei der Firma, bei der er auch sein Praktikum absolviert hat. Nach der Arbeit geht's dann nicht direkt nach Hause, sondern zum Sport. Donnerstag und Freitag sehen so ähnlich aus wie Montag und Dienstag, eine Mischung aus Uni, Studenteninitiative und abends noch was für die Uni vorbereiten. Zurzeit engagiert sich Ben noch zwei bis drei Stunden in der Woche beim Verein Kulturleben in der Studentenstadt e.V, auch eine Studenteninitiative. Aufgrund von personellen Engpässen organisiert er deren Musik- und Theateraufführungen mit.
B
Bei all seinem ehrenamtlichen Engagement steht bei Ben dennoch das Studium an erster Stelle. Auf die Frage der Vereinbarkeit von Studium und ehrenamtlicher Arbeit sagt er Folgendes: „Die Sache mit der Zeitplanung ist immer schwierig: Es gibt Fälle, wo zu viel außeruniversitäres Engagement dazu führt, dass Leute ihr Studium nicht schaffen. Das finde ich dann wirklich schade, weil so der besondere Einsatz bestraft wird!" Und genau darin sehen die großen Studenteninitiativen wie Bonding, AIESEC, BDSU etc. ein Problem. Daher fordern die sechs größten studentischen Organisationen in Deutschland mehr Förderung des studentischen Ehrenamtes. In einem Positionspapier fordern sie, dass die Hochschulen studentisches Engagement unterstützen sollten. Die Auswirkungen der zeitintensiven BA-Studiengänge auf das Ehrenamt seien abzusehen: „Intensives soziales Engagement zum ist mit der Anwesenheitspflicht für BA/MA-Studiengänge nur schwer vereinbar." Hier müsse ein neues Bewusstsein bei den Uni-Verantwortlichen geschaffen werden, denn gerade junge Leute sollten neben der Karriere noch an andere Dinge denken.
C
Michaela Mertens, Mitglied bei Kulturleben in der Studentenstadt e. V., sieht neben den Anforderungen der BA/MA-Studiengänge auch die Studiengebühren als problematisch für die Nachwuchssuche im ehrenamtlichen Bereich: „Viele Studierende müssen nebenher arbeiten, um ihr Studium zu finanzieren. Wenn es um den Lebensunterhalt geht, bleibt kaum noch Zeit für das soziale Engagement." Was die Nachwuchssituation betrifft, sind sich die Studenteninitiativen einig. Hierzu Lars Knnertz, Bundesvorstand bei AIESEC: „Momentan können wir hier noch keinen deutschlandweiten Trend erkennen. Allerdings macht sich an einzelnen Standorten, an denen die Bachelor-Studiengänge sehr strart organisiert sind, bemerkbar, dass studentische Mitarbeiter weniger Zeit haben und auch nicht so lange dabeibleiben."
D
Sabine Eckardt vom BDSU (Bundeswehr band Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen) erklärt, wie man hier Abhilfe schaffen könnte: „Wir setzen uns dafür ein, dass bestimmte Formen studentischen Engagements im Studium angerechnet werden oder als Pflichtpraktikum zählen." „Gerade im Bereich der vielzitierten Soft Skills wie z. B. Teamarbeit, auf die auch viele BA/MA-Studiengänge Wert legen, könne das außer universitäre Engagement einen Beitrag leisten. Ein Beispiel hierfür Heidelberg. Im Rahmen eines Praktikanten-Programms bei der Studienberatung helfen Studierende insbesondere neuen ausländischen Studierenden. Diese Arbeit wird zumindest teilweise als Studienleistung angerechnet.
E
Zurück zu Ben. Er fände die Anrechnung von ehrenamtlicher Leistung eigentlich gut. Schwierigkeiten sieht er jedoch auch: „Das Ehrenamt ist ja gerade nicht an Gewinn orientiert – eine außer Universitäten Tätigkeit sollte freiwillig und aus eigener Überzeugung heraus gewählt werden und nicht mit dem Gedanken an möglichst großen Nutzen." „Zudem spricht gegen diese Überlegung, dass der moderne Arbeitsmarkt ehrenamtliche Leistungen schon belohnt. So wird in nahezu allen Stellenangeboten das außeruniversitäre Engagement als Einstellungsvoraussetzung genannt. Allein hierdurch entsteht bereits ein Anreizeffekt, um sich zu engagieren. Egal wie nun entschieden wird: Fest steht, dass freiwilliges Engagement nie verkehrt ist, oder um es mit Bens Worten zu sagen: „Nur zu lernen ist doch irgendwie auch langweilig. Natürlich habe ich nicht immer Zeit für alles, aber wer hat das schon, Spaß macht das Ehrenamt jedenfalls".

Ihre Antworten

7: wird auf die Konkurrenz von Ehrenamt und Nebenjob hingewiesen?
8: wird auf mögliche negative Auswirkungen des Ehrenamtes auf das Studium hingewiesen?
9: wird das Ehrenamt als sehr wichtig bei der Arbeitssuche bezeichnet?
10: wird gezeigt, dass es an einer bestimmten Uni Hilfe für ein Engagement neben dem Studium gibt?
11: wird gesagt, dass man mit einer guten Planung die Probleme der Mehrfachbelastung lösen kann?
12: wird kritisiert, dass man in den Lehrveranstaltungen anwesend sein muss?
← Zurück