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C1 HOCHSCHULE — LESEVERSTEHEN TEIL 2

Du bist, was du isst!

Lesen Sie den folgenden Text. In welchem Textabsatz a–e finden Sie die Antworten auf die Fragen 7–12? Es gibt jeweils nur eine richtige Lösung. Jeder Absatz kann Antworten auf mehrere Fragen enthalten. Markieren Sie Ihre Lösungen für die Aufgaben 7–12 auf dem Antwortbogen.

In welchem Abschnitt ...

7 zeigt die Autorin Verständnis?
8 gibt die Autorin fremde Einschätzungen wieder?
9 warnt die Autorin?
10 vermutet die Autorin auf unterhaltsame Art Definitionen?
11 werden verschiedene Handlungsmuster interpretiert?
12 Formuliert die Autorin polemisch?

DU BIST, WAS DU ISST!!

A
Ursprüngliche Steinzeiternährung und künstlich angereichertes Funktional Food, extrem hochwertiges Fleisch und fleischloses Essen, High-Carb und low-Carb, Körnerdiät und Beikost, Lactose- und Gluten frei – das Angebot an Ernährungsstilen hält für jeden Geschmack etwas bereit. Vegetarier, Veganer, Rohköstler, Flexitrier und Pescetarier, sie alle schwören auf ihre Art zu essen. Die einzig artgerechte Ernährung des Menschen? Die Palio-Diät mit viel Gemüse, Fleisch und Obst, ohne Getreide und ohne Hülsenfrüchte. Der Schlüssel zu einem gesunden und beschwingten Leben? Rohkost mit natürlichen, pflanzlichen Lebensmitteln, die unter 42°C verarbeitet, das heißt weder gekocht noch gebraten, gedämpft oder frittiert wurden. Menschliche Ernährung ohne Tiersterben und tierisches Leid? Beim Vegetarismus und Veganismus sollen die Essgewohnheiten eine bewusste Lebenshaltung zum Vorteil von Menschen, Tier und Umwelt spiegeln. Wem das Durchhaltevermögen für den völligen Verzicht auf tierische Produkte fehlt, darf sich als Flexitarier bezeichnen: Fleisch ja, aber selten und wenn, dann Bio. Pescetarier verzichten auf den Verzehr gleichwarmer Tiere. Dafür landet öfters Fisch auf dem Teller, was der Gesundheit zuträglich sein soll – dem Zustand der überfischten Meere wohl weniger.
B
Experten sprechen von einer Pluralisierung der Ernährungsstile. Für die Wahl einer bestimmten Ernährungsform scheinen vielfältige Gründe ausschlaggebend zu sein. Manchen Menschen gehe es in erster Linie um ihre Gesundheit, wie etwa beim Verzicht auf Laktose, Gluten oder tierische Fette. Für andere stehen Motive wie nachhaltiger Umgang mit der Natur oder der Tierschutz im Vordergrund. Ernährungswissenschaften sind jedoch überzeugt, dass es häufig aber auch um Selbstinszenierung und Zugehörigkeit gehe. In einer Welt, die vom Verlust tradierter Ordnungssysteme gekennzeichnet sei, komme der Suche nach Identität eine besondere Bedeutung zu. Nun habe Identität viele Facetten, zum Teil geprägt von der Herkunft und dem Familiären Hintergrund, die man nur schwer ändern könne. Sein Konsumverhalten könne man hingegen relativ leicht ändern, und sich dadurch auch von anderen abgrenzen. Somit komme der Ernährung, die ja auch zum Konsum gehöre, eine identitätsstiftende Rolle zu.
C
Stehen alternative Ernährungsstile tatsächlich für Selbstbestimmung, oder sind manche ihrer Anhänger nur einfältige Opfer geschickt vermarkteter Trends? So sind etwa im letzten Jahr unzählige neue Kochbücher mit veganen Rezepten erschienen, ist der Umsatz für Fleischersatz und pflanzliche Aufstriche in Deutschland um ein Drittel gestiegen. Pikant anzumerken, dass diese veganen Produkte zum Teil von Fleisch- und Wurstproduzenten vertrieben werden, die darin ein willkommenes zusätzliches Marktsegment erkennen. Wiegt hier nicht ebenso wie bei anderen Produkten das wirtschaftliche Interesse schwerer als der ideologische Überbau? Laufen viele der Körnerfresser oder kulinarischen Extremisten nur Trends hinterher, ohne zu verstehen, worum es eigentlich geht?
D
Denn etwas haben die zahlreichen Trennungen Ernährungsstile gemeinsam: Sie sind nicht billig. Identitätsfindung über das Essen funktioniert nur für gut gestellte Bevölkerungsschichten. Früher war es ein Zeichen von Wohlstand, wenn man sich Fleisch auf dem Teller leisten konnte. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat sich der Fleischkonsum in den Industriestaaten verdreifacht, Fleisch ist heute auch für ärmere Schichten verfügbar und erschwinglich. In diesem Überfluss grenzt man sich nicht durch wahllosen Konsum, sondern durch Verzicht oder bewusste Auslese von der Mehrheit ab. Das erscheint nahezu zynisch, wenn man bedenkt, dass für viele Menschen auf der Welt der Kampf um irgendetwas Essbares immer noch zum Alltag gehört.
E
Nun ist von einem ethischen Standpunkt aus die Kritik an maßlosem Fleischkonsum ja durchaus nachvollziehbar. Ebenso ist nachhaltige Landwirtschaft im Sinne eines respektvollen Umgangs mit den Ressourcen der Welt zu befürworten. Und selbst wenn man die Moral beiseitelässt: Mit der eigenen Gesundheit lässt sich der überlegte Konsum von Lebensmitteln auch von einem ganz eigennützigen Standpunkt aus begründen. Andererseits könnte die intensive Beschäftigung mit der eigenen Ernährung in extremen Fällen zwanghafte Züge annehmen: Manche beschreiben bereits das neue Krankheitsbild der Orthoepie nervöse, einer Art Essstörung, bei der die Betroffenen ein krankhaftes Verlangen danach hätten, sich möglichst „gesund" zu ernähren. Und wenn Ernährung zum eigentlichen Sinn des Lebens, gar zu einer Ideologie wird, könnte sie zu einer ganz ungesunden Ausgrenzung Andersdenkender.

Ihre Antworten

7: zeigt die Autorin Verständnis?
8: gibt die Autorin fremde Einschätzungen wieder?
9: warnt die Autorin?
10: vermutet die Autorin auf unterhaltsame Art Definitionen?
11: werden verschiedene Handlungsmuster interpretiert?
12: Formuliert die Autorin polemisch?
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