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C1 HOCHSCHULE — LESEVERSTEHEN TEIL 2

Selbermachen als Trend

Lesen Sie den folgenden Text. In welchem Textabsatz a–e finden Sie die Antworten auf die Fragen 7–12? Es gibt jeweils nur eine richtige Lösung. Jeder Absatz kann Antworten auf mehrere Fragen enthalten. Markieren Sie Ihre Lösungen für die Aufgaben 7–12 auf dem Antwortbogen.

In welchem Abschnitt ...

7 arbeitet die Autorin mit einem Vergleich?
8 argumentiert die Autorin mithilfe einer fremden Autorität?
9 formuliert die Autorin einen Appell?
10 legt die Autorin ihre persönliche Haltung dar?
11 spricht die Autorin eine Vermutung aus?
12 sucht die Autorin nach Zustimmung?

Lesetext

A
Mach es selbst! Die bekannte Parole do it yourself hat heute Hochkonjunktur. Vom Eierwärmer bis zur Stoffserviette muss alles individuell gestaltet sein. Mousepads, Türvorleger, Fahrradsitzbezüge werden bepinselt, geklöppelt und genäht - das oft fragwürdige Ergebnis ist dabei zweitrangig. Sogar Laternenstangen wird heutzutage Individualität mit einem Strickkleid verpasst. Selbermachen schone den Planeten und dämme den Massenkonsum ein, jubeln Aktivisten aus Stricknadelkreisen. Und wer sich auf der Höhe der Zeit bewegt, produziert sein Sauerkraut selbst. Das sei überhaupt nicht schwer, mache jede Menge Spaß und schmecke einfach viel besser, versprechen etliche Kochblogs. Ein bisschen Geld müsse man dafür natürlich aufwenden, die passenden Einmachgläser solle man kaufen, ein Gemüsehobel könne nicht schaden, auch Kurse und entsprechende Literatur würden sich lohnen ... Es scheint jedenfalls, als müsste man dafür viel Zeit einplanen. Würden Sie, liebe Leser, sich der Meinung anschließen, dass in diesem Fall die Begeisterung doch ein wenig übertrieben ist? Schon seit Jahren liegt Selbermachen im Trend, und ebenso lange muss man sich fragen, warum Leute freiwillig, dilettantisch und unter hohem Aufwand Dinge herstellen, die sie perfekt und gebrauchsfertig kaufen könnten. Wie etwa Sauerkraut aus der Dose - das findet man schließlich in jedem Lebensmittelgeschäft.
B
Ja, ich gebe zu: Ich bin leicht zufriedenzustellen. Mir schmecken Produkte aus dem Supermarkt, und wenn Ich meine Wohnung neu dekorieren möchte, fange ich nicht an zu basteln, sondern schaue mich bei einem bekannten schwedischen Möbelhändler um. Dennoch habe ich gar nichts dagegen einzuwenden, wenn andere Freude am Selbermachen haben, ich kann diesem Trend durchaus positive Seiten abgewinnen. Mit den eigenen Händen etwas herzustellen kann schließlich dazu beitragen, dass man sich entspannt und nach einem anstrengenden Arbeitstag den Kopf freibekommt. Und wer sich damit beschäftigt, selbst etwas herzustellen, vergeudet wenigstens nicht seine Zeit mit ziellosem Herumsurfen im Internet. Andererseits stört es mich aber gewaltig, wie sehr das Selbermachen heutzutage überhöht, ja quasi als Rettung der Welt verkauft wird.
C
Das Heimwerken solle das Glücksempfinden erhöhen, die Entfremdung zwischen Mensch und Arbeit überwinden, dem Klima guttun und den Konsum eindämmen: Solche Behauptungen hört man immer wieder. Denjenigen, die so hohe Erwartungen haben, möchte man entgegenrufen: Schaltet mal einen Gang herunter! Man sollte dieses Thema wirklich etwas nüchterner betrachten. Ein Beispiel: Dass Selbermachen den Konsum reduziert, ist durchaus fraglich. Allein schon die Umsatzzahlen der entsprechenden Geschäfte belegen, dass Heimwerken und Kaufen zusammengehören wie Hammer und Nagel. Schließlich wird Geld ausgegeben für Dinge, die man braucht, um andere Dinge selbst zu produzieren. Dies reduziert weder Verbrauch noch Kosten. Und die Industrie hat den Trend natürlich schon lange erkannt und bietet zahlreiche Produkte in halbfertigem Zustand an. Man könnte also durchaus behaupten, dass der Konsum durch die Liebe zum Heimwerken nicht reduziert, sondern sogar angekurbelt wird.
D
Doch warum ist das Heimwerken eigentlich zum Trend geworden, nachdem es lange Zeit gar nicht mehr gefragt war? Sicher ist: Wer im Beruf tagein, tagaus am Computer sitzt und sich oft in den virtuellen Welten des Internets und der sozialen Medien bewegt, sehnt sich irgendwann nach einem Ausgleich. Nach einer Gegenwelt, in der man mit den eigenen Händen etwas erschafft und sein Talent beweist. Farbe riechen, Holz spüren, Dinge sinnlich erfahren. Und am Ende des Tages hält man etwas in der Hand, was man anderen zeigen kann. Im Beruf, so eine These des Neurobiologen Gerald Hüther, spüren viele längst nicht mehr die Wichtigkeit ihres Tuns. Sie können dort kaum Einfluss nehmen. Zuhause aber haben sie das Sagen.
E
Nicht immer reicht aber die eigene Fantasie aus, manchmal braucht man eben doch Vorbilder. Und diese finden sich ausgerechnet in den sozialen Netzwerken. Das mag zunächst wie ein Widerspruch klingen, denn gerade von diesen virtuellen Welten wünschen sich doch viele eine Auszeit. Dennoch: Ob sie etwas nähen oder ein neues Bett bauen wollen - online finden Bastler zu jedem Thema eine passende Anleitung, und man kann leicht den Erfahrungsschatz vieler Leute anzapfen. Durch den Austausch entstehen außerdem Communitys, Gemeinschaften. Man könnte also durchaus annehmen, dass die Menschen sich auf diese Weise näherkommen und ihr Bedürfnis nach Gemeinsamkeit ausleben können auch dazu dienen schließlich Hobbys. Wenn man stolz Fotos von selbstgestrickten Pullis präsentiert und die selbstgebauten Regale von Freunden bewundert, ist dies vielleicht nur eine von vielen Möglichkeiten, anderen zu begegnen. Letztlich kommt es womöglich gar nicht darauf an, dass selbstgemachtes Sauerkraut besser schmeckt. Sondern darauf, dass man mit anderen darüber reden kann.

Ihre Antworten

7: arbeitet die Autorin mit einem Vergleich?
8: argumentiert die Autorin mithilfe einer fremden Autorität?
9: formuliert die Autorin einen Appell?
10: legt die Autorin ihre persönliche Haltung dar?
11: spricht die Autorin eine Vermutung aus?
12: sucht die Autorin nach Zustimmung?
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