Lesen Sie den folgenden Text. In welchem Textabsatz a–e finden Sie die Antworten auf die Fragen 7–12? Es gibt jeweils nur eine richtige Lösung. Jeder Absatz kann Antworten auf mehrere Fragen enthalten. Markieren Sie Ihre Lösungen für die Aufgaben 7–12 auf dem Antwortbogen.
In welchem Abschnitt ...
7Amüsiert sich die Autorin?
8Appelliert die Autorin an die Gefühle der Leser ?
9Möchtet die Autorin warnen ?
10Regt die Autorin dazu an, über weitere Frage nachzudenken ?
11Wagt die Autorin eine Prognose ?
12zieht die Autorin eine Schlussfolgerung ?
ISS DICH GLÜCKLICH
A
Ein kleines Stück Madeleine, eines französischen Sandkuchens also, genügte: : Der Genuss dieses Gebäckstücks, in Lindenblütentee aufgeweicht, erweckte in dem Helden von Marcel Prousts berühmtem Romanzyklus „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" ein wohliges Glücksgefühl wieder zum Leben, das er aus seiner Kindheit kannte. Diese berühmte Szene aus der Weltliteratur beschreibt eine Erfahrung, die den wenigsten fremd sein dürfte ➡ Stellen Sie sich vor, Sie beißen in ein Stück Apfelkuchen, der genauso schmeckt wie der, den Ihre geliebte Großmutter in Ihrer Kindheit immer gebacken hat. Sicher fühlen Sie, wie der bekannte Geschmack Gefühle von Wärme und Geborgenheit in Ihnen aufsteigen lässt. Sie fühlen sich zurückversetzt in eine Situation, in der Sie rundum zufrieden waren - und zwar allein durch einen Biss in den Apfelkuchen. Die Wissenschaft geht schon länger der Vermutung nach, dass Nahrung unsere Stimmung beeinflusst.
B
Und zwar schon seit Jahrtausenden: Hippokrates von Kos, der berühmteste Arzt der Antike, gab Schwermütigen eine Empfehlung, die heute sehr viel Heiterkeit hervorrufen dürfte. Eselsmilch sollten sie trinken, denn das vertreibe die Traurigkeit, Sport dagegen sei Gift für die ermüdete Seele. ➡ Auch wenn dieser wohlgemeinte Rat jeden Bewegungsmuffel freuen dürfte - endlich mal ein guter Grund für die Faulheit, und dann noch aus dem Mund einer unantastbaren Autorität! -, ist die Medizin von Eselsmilch mittlerweile wohl aus gutem Grund abgekommen. Ein Körnchen Wahrheit steckt dennoch in den Überlegungen, die der antike Gelehrte verfolgte. So wird nur selten angezweifelt, dass Schokolade Glücksgefühle erzeugt, Nudeln Frust vertreiben und Nüsse Nervennahrung sind. Dass Essen wohl tatsächlich weit mehr als die Zufuhr von Nährstoffen für den Körper ist und auch die Psyche beeinflusst, betrachtete die Schulmedizin lange Zeit kritisch, doch mittlerweile beginnt sie ihre Position zu revidieren. Immer mehr Wissenschaftler untersuchen, ob das richtige Essen gute Laune machen oder seelisches Leid mindern kann.
C
Dabei sind die Zweifel, die dieser Theorie lange Zeit von zahlreichen Forschern entgegengebracht wurden, durchaus nachvollziehbar. Denn zunächst lässt es sich nur schwer ermitteln, ob die Nahrung selbst unsere Stimmung beeinflusst oder die Assoziationen, die sie bei uns weckt. Noch bevor wir nur einen Bissen gegessen haben, entfaltet sie schon ihre Wirkung: Ihre Form und Farbe, die Aromen, die von ihr aufsteigen, erinnern uns an frühere Erfahrungen.➡ Daraus lässt sich zweifellos ableiten, dass unsere Erinnerungen und unsere Sinneswahrnehmung beeinflussen, wie Nahrung auf unsere Stimmung wirkt. Daneben konnten Wissenschaftler aber mittlerweile in zahlreichen Studien belegen, dass Nahrung auf komplexe Weise auf unser psychisches Befinden einwirkt/Dabei haben sie vier besonders bedeutsame Aspekte offenlegen können, die dies vermutlich erklären können. Als Erstes gibt es in der Nahrung Stoffe, die unmittelbar auf das Gehirn wirken. Des Weiteren schickt auch der Magen-Darm-Trakt, der von einem komplexen Nervengeflecht durchzogen ist, Signale an das Gehirn. Ebenso reagiert das Immunsystem direkt auf Nahrung und kann die Stimmung beeinflussen. Auf das Gemüt einwirken können zuletzt auch die Bakterien, die im Darm die Nährstoffe verarbeiten. Auch wenn diese Wirkmechanismen hochkomplex und noch nicht bis ins letzte Detail ausgeleuchtet sind, lässt sich resümieren, dass jede Mahlzeit unser Befinden beeinflusst und unsere Essgewohnheiten darauf abfärben, wie wir uns fühlen, mit Problemen umgehen und wie gelassen wir die Welt sehen können.
D
Dass Nahrung eine so starke Wirkung auf die Psyche entfaltet, ist allerdings nicht nur vom medizinischen Standpunkt aus bedenkenswert, sondern wirft auch zahlreiche philosophische Probleme auf, die durch- aus den Kern des Individuums berühren: ➡ Sind wir wirklich nur, was wir essen? Hängt unsere Weltsicht davon ab, welche Nahrungsmittel wir zu uns nehmen? Wie ist unsere Autonomie, die Freiheit unseres Denkens und unserer Entscheidungen, vor diesem Hintergrund zu betrachten? Und nicht zuletzt: Entstehen dadurch nicht auch Manipulationsmöglichkeiten, die durchaus nicht wünschenswert sind? So ist auf alle Fälle die Ansicht zu bejahen, ➡ dass mit solchen wissenschaftlichen Erkenntnissen auf vorsichtige und bedächtige Weise umzugehen ist. Denn es erweckt durchaus ein ungutes Gefühl, dass sich die eigene Stimmungslage möglicherweise gezielt durch ein paar Bissen Nahrung beeinflussen lässt.
E
Tatsächlich gehen manche Wissenschaftler heutzutage davon aus, dass man durch eine gezielte Umstellung der Nahrungsgewohnheiten ein neues Lebensgefühl erzeugen könnte. Dies wird gewiss schon bald Begehrlichkeiten bei der Industrie, vor allem bei den Lebensmittelherstellern, wecken. ➡ Denn hinter diesen neuen Erkenntnissen könnte sich ein riesiger, noch unerschlossener Markt verbergen, und an den Ergebnissen neuer Studien ist die Industrie selbstverständlich sehr interessiert. So dürften in Zukunft gewiss Lebensmittel produziert werden, mit denen sich Emotionen gezielt beeinflussen lassen. Zwar sind bis dahin noch einige Schritte zu unternehmen. Denn wie Nahrung tatsächlich auf die Psyche wirkt, ist schwer zu entschlüsseln, und viele weitere Untersuchungen müssen die vorhandenen Befunde noch erhärten.
Ihre Antworten
7:Amüsiert sich die Autorin?
8:Appelliert die Autorin an die Gefühle der Leser ?
9:Möchtet die Autorin warnen ?
10:Regt die Autorin dazu an, über weitere Frage nachzudenken ?