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C1 HOCHSCHULE — LESEVERSTEHEN TEIL 2

ZWISCHEN FAMILIE UND STUDIUM

Lesen Sie den folgenden Text. In welchem Textabsatz a–e finden Sie die Antworten auf die Fragen 7–12? Es gibt jeweils nur eine richtige Lösung. Jeder Absatz kann Antworten auf mehrere Fragen enthalten. Markieren Sie Ihre Lösungen für die Aufgaben 7–12 auf dem Antwortbogen.

In welchem Abschnitt ...

7äußert die Autorin Schuldgefühle?
8gibt die Autorin ihre Eifersucht zu?
9ist die Autorin nachsichtig mit sich selbst?
10macht die Autorin anderen Mut?
11drückt die Autorin Bewunderung aus?
12ist die Autorin polemisch?

ZWISCHEN FAMILIE UND STUDIUM

A
Ich bin Studentin und habe eine kleine Tochter. Die ist zurzeit krank: Kitakeime. In zwei Tagen wird sie aber wieder ihren Raketenantrieb zünden. Nur ich bin völlig am Ende. Ein klitzekleiner Kinderkeim lässt mich eine Woche kaum aus dem Bett kommen.

Ich weiß jetzt, was kopf und Gliederschmerzen sind: ein Haufen Unbekannter, die aus einer dunkeln Limousine mit Getönten Scheiben Steigen, ihren Baseballschläger zücken und auf mich einrügeln. Das perfide an diesem Kitakeimen ist, sie erwischen das Kind und einen der Erwachsenen. Der andere bleibt halbwegs auf den Beinen, damit er die Pflege der Familie in Angriff nehmen kann, und in diesem Fall ist das mein Freund. Ich liege derweil auf dem Sofa und wimmere nach einem raschen Ende
B
Mit einem halb geöffnet Auge verfolge ich dann, wie das Familienleben ohne mich so läuft. An sich ausgezeichnet. Mein Freund hat ein fiebriges Kind zu beruhigen, seine Seminararbeit zu schreiben, den Abwasch zu erledigen und den Einkauf. Zwischendurch macht er mir Tee, kocht Hühnersuppe oder singt unsere quengelnden Tochter Schlaflieder vor. Das alles schafft er scheinbar mit links. Erstaunlich! Klar, ich freue mich, dass mein Freund sich für Hausarbeit nich drückt und sich so liebevoll um unsere Tochter kümmert. Andere Männer kommen abends nach Hause und wollen nur noch ihren Fuß hochlegen. Trotzdem ist es manchmal ist nicht einfach, zum Beispiel, wenn Ins-Bett-geh-Zeit ist und Mama dem Kind keine Gütenacht-Geschichte vorlesen darf, das muss Papa machen. Oder die Kleine fällt hin, weint, und nur Paра kann sie trösten. Das ist zugegebenermaßen schmerzhaft und manchmal beneide ich meinen Freund regelrecht um die Gunst unserer Tochter. Andererseits weiß ich natürlich, dass ich nicht immer de Hauptbezugsperson der Kleinen sein kann.
C
Ich pendle zwischen der Stadt, in der wir leben, und der Stadt, in der ich studiere. In guten Wochen bin ich drei Tage nicht zu Hause und in schlechten Wochen fünf. Ich verpasse also ständig. Egal auf welcher Seite. Es fühlt sich an. als wäre man nie richtig da und immer schon fast wieder weg. Mittwoch ist Eltern Café, aber da bin ich in der Studentenstadt. Dann kommen noch die Feste und Aktivitäten in der Kita, zu denen ich meistens r4 spät komme und mir dann die Frage stelle: Bin ich überhaupt eine gute Mutter? Manchmal denke ich, dass ich das alles gut hinbekomme: Uni. Kind, Mann, Freunde, Sport, Haushalt Zukunftsplane schmieden ... Und manchmal, da fühle ich mich als kompletter Versager. Ich weiß, dass niemand perfekt ist, dass ich das nicht von mir erwarten kann. Leider. Leider heißt, dass ich es trotzdem will. Und scheitere. Daran, dass ich nicht die besten Noten habe. Dass nach dem Faschingsschminken mein Kind aussieht wie ein grotesker Frosch. Oder dass ich wieder nur eine Pizza in den Ofen schiebe, anstatt frisch zu kochen.
D
Während ich hustend auf dem Sofa liege und über mein Leben nachdenke, habe ich diesen Werbespot im Kopf, der mir sagt, dass eine erkältete Mutter sich keine Auszeit nimmt, sondern ein Grippemittel, um sich dann glücklich lächelnd wieder ihren täglichen Aufgaben zu widmen. Um zu begreifen, wie unnötig das ist. muss ich nur meine Kleine anschauen.

Die sitzt auf dem Teppich, liest ihr, Baggerbuch' und zeigt mir sämtliche Straßenreinigungs- und Baufahrzeuge. von denen ich ohne dieses Buch niemals die korrekten Bezeichnungen wie Wassertankwagen' und ,Abrollkipper gewusst hatte, und plötzlich wird mir klar, dass es sogar dumm wäre, perfekt zu sein, dann gäbe es doch nichts mehr zu lernen: über Fahrzeuge, darüber, dass meine Kleine auch als ziemlich grotesker Frosch Spaß an Fasching hat, und dass sie nicht weniger Mama zu mir sagt. nur weil ich krank bin.
E
All denjenigen unter euch, die in einer ähnlichen Situation sind und versuchen, den Spagat zwischen Uni und Familie hinzukriegen, kann ich sagen: Macht euch nicht so viele Gedanken und lasst euch auf gar einen Fall ein schlechtes Gewissen einreden, vor allem nicht von den vielen Helikoptereltern , die an den Kitas herumschwirren. Das sind all die übereifrigen, die als erste die Hand heben, wenn wieder mal ehrenamtliche Helfer gesucht werden. Kuchen backen für die Weihnachtsfeier, Kostüme nähen für Fasching, die Kinder bei einem Ausflug begleiten. Auf eigene Kosten, ist doch klar.

Klingt erst mal gut, wird aber schnell richtig nervig. Diese Eltern betrachten ihr Kind offenbar als Projekt und würden es am liebsten luftdicht verpackt im Känguru Beutel bis zum Abitur tragen. Mir wird schlecht, wenn ich daran denke, was das später mit den Kindern macht!

Also, entspannt euch und versucht einfach, eine gute Mischung aus Liebe und Gelassenheit zu finden, dann macht ihr schon ganz viel richtig.

Ihre Antworten

7:äußert die Autorin Schuldgefühle?
8:gibt die Autorin ihre Eifersucht zu?
9:ist die Autorin nachsichtig mit sich selbst?
10:macht die Autorin anderen Mut?
11:drückt die Autorin Bewunderung aus?
12:ist die Autorin polemisch?
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