TRÄUME: BOTSCHAFTEN AUS DEM UNTERBEWUSSTEN ODER SINNLOSE GEHIRNAKTIVITÄT
Lesen Sie den folgenden Text. In welchem Textabsatz a–e finden Sie die Antworten auf die Fragen 7–12? Es gibt jeweils nur eine richtige Lösung. Jeder Absatz kann Antworten auf mehrere Fragen enthalten. Markieren Sie Ihre Lösungen für die Aufgaben 7–12 auf dem Antwortbogen.
In welchem Abschnitt ...
7äußert die Autorin Bedenken?
8gibt die Autorin einen Rat?
9liefert die Autorin Definitionen?
10stellt die Autorin verschiedene Standpunkte einander Gegenüber?
11äußert der Autor einen Wunsch ?
12zieht die Autorin eine Schlussfolgerung?
TRÄUME: BOTSCHAFTEN AUS DEM UNTERBEWUSSTEN ODER SINNLOSE GEHIRNAKTIVITÄT
A
Was für ein Schrecken! Gerade bekamen Sie die Nachricht, im Lotto gewonnen zu haben, Und dann reißt Sie der Wecker grausam aus dem Schlaf und schlagartig verpuffen die größten Hoffnungen: Mit dem plötzlichen Geldsegen ist es vorbei... Wer will sich da nicht lieber noch mal eine Runde aufs Ohr hauen? Im Traum passieren oft skurrile Dinge. Logik und Naturgesetze sind außer Kraft gesetzt und wir können die verrücktesten Abenteuer erleben: Wir überwinden die Schwerkraft, erheben uns wie ein Vogel in die Lüfte, atmen unter Wasser oder unternehmen mir nichts, dir nichts eine Zeitreise. Oft durchleben wir noch einmal in verfremdeter Form die Widrigkeiten des Alltags. In Alpträumen suchen uns dagegen unsere größten Angste heim. Manche dieser nächtlichen Schreckensszenarien sind weiterverbreitet : Träume, in denen man verfolgt wird, ins Bodenlose stürzt oder sich hoffnungslos blamiert, sind über Kulturenzen hinweg bekannt.
B
Doch welche Bedeutung haben Träume eigentlich? Oft haben wir das Gefühl, dass das im Schlaf erlebte eine wichtige Botschaft enthält, und tatsächlich beschäftigt sich die Menschheit schon seit Jahrtausenden mit der Frage, was Träume uns eigentlich zu sagen haben. Auch die Wissenschaft bemüht sich, Träume zu durchleuchten, die Psychoanalyse ebenso wie die Neurophysiologie oder Psychologie. Für Götterbotschaften hielt man in der Antike das nächtliche Kopfkino, und seitdem wird immer wieder nach dem Wahrheitsgehalt von Träumen gesucht .Oft wurde ihnen eine prophetische Macht beigemessen und das nicht nur in vergangenen Zeiten :Dass sich in ihnen die Zukunft offenbare oder verborgen Hinweise in ihnen steckten - daran möchten auch heute noch viele glauben. Wer nach einem Schlüssel für Traumsymbole sucht, wird unzählige passende Websites finden und fast jede Buchhandlung bietet Bücher über Traumdeutung an. In Träumen wird nach Sinn gesucht,so viel steht fest. Dabei stellt sich allerdings die Frage, ob die Ansicht, Träume enthielten eine Bedeutung, die sich durch intensive Beschäftigung mit ihnen entschlüsseln lässt, möglicherweise auf einem Missverständnis basiert. Sind die nächtlichen Bilder nicht vielmehr sinnlose Abfallprodukte des Gehirns? Sollte man sie nicht am besten einfach ignorieren?
C
Tatsächlich ist der Wahrheitsgehalt von Träumen umstritten, und die Geschichte der Traumdeutung ist geprägt von einem jahrzehntelangen Konflikt zwischen Anhängern und Skeptikern. So kursieren verschiedene Theorien über den Gehalt von Träumen, die einander oft gänzlich ausschließen. Zu den Klassikern gehört Sigmund Freuds 1899 erschienenes Werk "Die Traumdeutung": Für den Begründer der Psychoanalyse manifestierten sich in Traumsymbolen unterbewusste, verdrängte Wünsche, die in maskierter Form in unser Bewusstsein gelangen. Die spätere Forschung nahm von dieser Theorie jedoch wieder Abstand. Manche Wissenschaftler betrachten Träume gar nur als rein körperliche Reaktion. So nahm der amerikanische Psychiater Allan Hobson eine radikale Gegenposition zu Freud ein und erklärte Träume zum Resultat zufälliger Hirnaktivität, zu reinem Neuronengeflimmer ohne jeglichen Sinngehalt .Doch auch von dieser These rückt die Psychologie inzwischen wieder ab. Betrachtet man die heutige Traumforschung, lässt sich eigentlich nur Folgendes daraus ableiten: Zwar kreisen viele Theorien um die Frage, welche Funktion Träume haben, doch eine endgültige Antwort steht noch aus.
D
Diese Schwierigkeit könnte auch darin begründet liegen, dass der Gegenstand der Untersuchung nur schwer zu fassen ist. Forscher können zwar die Gehirnaktivität während des Schlafs verfolgen, aber die Träume selbst spielen sich nur im Kopf ab. Doch was ist ein Traum eigentlich? Im Allgemeinen wird alsTraum eine psychische Aktivität während des Schlafes bezeichnet. Daneben existieren nach wie vor wenige gesicherte Fakten. Widerlegt ist mittlerweile die früher weitverbreitete Annahme, dass wir nur den sogenannten REM-Phasen - Schlafphasen, in denen schnelle Augenbewegungen zu beobachten sind - träumen. In ihnen haben wir zwar die intensivsten Träume, doch wir träumen die ganze Nacht Die Frage nach dem Wann" scheint also mittlerweile geklärt zu sein. Da bleibt es nur zu hoffen, dass auch bald die interessante Frage geklärt wird, warum im Schlaf Bilder in unserem Kopf entstehen.
E
Eine interessante Spur verfolgen dabei Neuroforrscher, die bildgebende Verfahren nutzen,um das träumende Gehirn zu beobachten. Dabei kamen sie zu einem verblüffenden und überraschenden Ergebnis :Im Traumzustand der präfrontale Cortex gehemmt jener Bereich im Gehirn,der für Logik, Sinn und Moral zuständig ist.. So kann sich die Fantasie befreit von Zwängen und Verboten entfalten. Daher fallen einem im Traum auch manchmal unerwartete Lösungen ein und das Traumgeschehen vollzieht sich fernab jeglicher Logik. Ob darin nun tatsächlich verborgene Wahrheiten stecken, spielt vielleicht gar keine so große Rolle. Wenn wir uns mit unseren Träumen beschäftigen, sollten wir vor allem das rechte Maß einhalten: Wer in jedem Traum zwanghaft nach wichtigen Botschaften sucht, könnte leicht in eine Abhängigkeit geraten. Wenn die Beschäftigung mit Träumen jedoch zu besserer Selbsterkenntnis verhilft kann das nur nützlich sein.
Ihre Antworten
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8:gibt die Autorin einen Rat?
9:liefert die Autorin Definitionen?
10:stellt die Autorin verschiedene Standpunkte einander Gegenüber?