⚠️ Inaktivität erkannt. Abmeldung in 30s

C1 HOCHSCHULE — LESEVERSTEHEN TEIL 2

Die merkwürdig Debatte über Hirndoping bei Wissenschaftlern

Lesen Sie den folgenden Text. In welchem Textabsatz a–e finden Sie die Antworten auf die Fragen 7–12? Es gibt jeweils nur eine richtige Lösung. Jeder Absatz kann Antworten auf mehrere Fragen enthalten. Markieren Sie Ihre Lösungen für die Aufgaben 7–12 auf dem Antwortbogen.

In welchem Abschnitt ...

7 zieht der Autor einem Vergleich?
8 zeigt sich der Autor Erstaunen?
9 wirft der Autor eine weiterführende frage auf?
10 spricht der Autor eine Warnung aus?
11 formuliert der Autor eine Empfehlung?
12 äußert der Autor Zweifel?

DIE MERKWÜRDIG DEBATTE ÜBER HIRNDOPING BEI WISSENSCHAFTLERN

A
Es ist eines der Themen, dem ich mich als Autor nur Vorsicht anzunähern wäge : das (scheinbar) weitverbreitete Hirndoping bei Wissenschaftlern- offenbar quer durch alle Alters - und geschiechtslagen und quer durch alle fachdisziplinen. Wenn davon die Rede ist, verbindet sich oft ein Minimum an wissen mit einem Maximum an Kulturkritik und Weltuntergangsstimmung, ob man mit einem einzigen Zeitungsartikel Licht in dieses Dunkel bringen kann, ist fraglich. Bedanken sind also durchaus angebracht, auch wenn das Thema mittlerweile viel medienecho erfahrt.
B
In den medialen Diskurs gebracht wurde es, nachdem die Zeitschrift Natur die Ergebnisse einer informellen Befragung von Wissenschaftlern veröffentlicht hatte. Angestoßen wurde diese Befragung durch einen Artikel von zwei englischen Nationalmannschaftlern, in dem diese über den Drogenkonsum von Kollegen berichteten. Die Befragten, die bestimmte Drogen zu nicht medizinischen Zwecken eingenommen hatten, wurden dabei zu den Beweggründen befragt. An online Fragebogen hatten 1400 Personen aus 60 Ländern ausgefüllt. Eine Von Fünfen gab an, mitHilfe des Mittels die Fokussierung, Die Konzentration oder das Gedächtnis stimulieren zu wollen. Einenge gaben dabei als Grund einen wünsch an, der einen überrascht und verwundert: sie hätten den oben genannten Artikel der beiden Neurowissenschaftler gelesen und wollten nun seinen Wahrheitsgehalt überprüfen.
C
Diese Botschaft, dass ein beachtlicher Teil der Wissenschaftler womöglich Hirndoping ausübt, löste weltweit eine Welle der Berichterstattung aus. Es ist jedoch dringend davon abzuraten, sich in diesem und ähnlich gelagerten Fällen von der Hohen Zahl der Veröffentlichungen blenden zu lassen. Denn der Informationsgehalt bliebt letztlich spärlich. Ob alle teilnehmenden Wissenschaftler waren, weiß niemand auch nich, wie sie mit online freigebögen umgehen. Eingeordnet wurde das Ergebnis, ohne Prüfung und Gewichtung, schnell in Zeit Diagnosen wie in die des bekannten Politikwissenschaftler Francis Fukuyama von der John Hopkins Universität, Washington, der nicht nur eine, Chema-Diktatur" sondern auch das Ende der Menschheit herbeiahnte, oder die des Philosophen Michael Sandel, der im Kampf um den Nobelpreis eine pharmazeutisch beschleunigte Aufrustungsspirsle auf und zukommen sah, oder die des am centrale Georges pompidou Beschäftigten Bernard Stiegler, der als Folge des Gehirndopings von der Industrie bewusst herbeigeführt Schädigungen der Synapsen Bildung im Gehirn befürchtet.

Nachdem die Studienergebnisse, vor allem in Wissenschaftlichen Un medizinischen Fachzeitschriften, verbreitet worden waren, warnten einige allgemein vor den ethischen und Gesundheitlichen Problemen mit denen die Gesellschaft konfrontiert sein könnte, wenn psychoactive Substanzen aller Art mit dem Ziel, die geistige Leistung zu steigern, eingenommen wurden. Andere verträtet die Ansicht, dass es nur rechtens sei, wenn Wissenschaftler auf der Suche nach den Medikamenten gegen die modernen geißeln der Menschheit ihr Gehirn nachhaltig zu Höchstleistungen stimulierten. Vieles wurde miteinander verquickt. Auch nicht dazugehöriges: nich nur Wissenschaftler sollen dopen, sondern auch Schüler und Studenten, Manager, Wirtschaftsbosse und Politiker. Und es wurde unterstellt, die Ergebnisse trafen so auch für Deutschland zu, obwohl darüber nichts bekannt ist.
D
Doch diesen medialen Kanonendonner sollte man nicht allzu ernst nehmen. Schließlich gibt es wichtigeres zu tun, als sich allzu sehr mit jedem Skandal und Skandälchen zu beschäftigen, die tagtäglich durch das mediale Dorf getrieben werden. Durchaus ratsam ist es aber, sie Themen, die grade grüß herausgebracht werden, aus kritischer Distanz zu betrachten. Denn so kann man sich interessante Erkenntnisse verschaffen, zum Beispiel jene, dass in unserer Gesellschaft solche wenig aussagekräftig Ergebnisse so viel Aufmerksamkeit erwecken können.

Man könnte es sich leicht und das mediale sommerloch für die Überreaktion verantwortlich machen. Aber das ist aus meiner Sicht zu wenig. Sicherlich nicht ganz unbeteiligt an dem ganzen dürfte das neun going public von Wissenschaftlern sein. Meldungen über Forschungsergebnisse werden (oft zu) schnell und gezielt lanciert und soziale Netzen genutzt, um ins Gespräch und in die Medien zu kommen. Die Medien wiederum haben ein Interesse daran, immer mehr und immer häufiger Themen selbst zu starten und im Diskurs lebendig zu halten, um ihren Absatz zu sichern und Kunden zu binden.

Nicht unterschätzt werden dürfen auch die Taktiken der Pharma-Konzerne, die solche Mittel herstellen und die sich einen riesigen neuen Markt erhoffen. So ist es schon sehr auffällig, dass in der Natur -Studie gezielt nach bestimmten, im Handel befindlichen Medikamenten gefragt wurde. Die Meldungen, die vom Unheilspotential dieser Substanzen laut Raunen, verleihen den Kursen Flügel. Das ist beinahe so ähnlich wie mit der zaubere :die schwarze Magie war schon immer viel attraktiver als die weiße. Oder anders: lieber eine Pille zum Brain-Doping als fit im Gehirn durch natürlich gesundes Brain-Food.
E
Letzte Endes muss man sich fragen, weshalb in der Debatte das Thema unter „Doping" und nicht„Drogenkonsum" abgehandelt wird. Soziologen könnten darauf hinweisen, dass der Mensch ein „Mängelwesen" sei, das seine Mängel durch Kultur, wozu auch die Medizin zu zählen ist, ausgleiche. Demnach muss der Mensch von Natur aus seine Natur immer wieder überschritten, will er überleben und sich den Gegebenheiten seiner Umwelt anpassen.

So sagt die Debatte um das Gehirn-Doping von DE Prof also doch noch etwas über unsere Gesellschaft aus, sich wenn man nicht weiß, wie viele es tun, wie oft, mit welchen Substanzen, mit welchem Ziel und vor allem: mit welchem Erfolg und mit welchen Folgen. Gewiss ist es wichtig, all das zu wissen - will man urteilen und bewerten. Dazu bedarf es seriöser Studien. Die stehen allerdings noch aus.

Ihre Antworten

7: zieht der Autor einem Vergleich?
8: zeigt sich der Autor Erstaunen?
9: wirft der Autor eine weiterführende frage auf?
10: spricht der Autor eine Warnung aus?
11: formuliert der Autor eine Empfehlung?
12: äußert der Autor Zweifel?
← Zurück