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C1 HOCHSCHULE — LESEVERSTEHEN TEIL 1

6. Kleine Geschichte der deutschen Rechtschreibung

Lesen Sie den folgenden Text. Welche der Sätze a–h gehören in die Lücken 1–6? Es gibt jeweils nur eine richtige Lösung. Zwei Sätze können nicht zugeordnet werden. Lücke (0) ist ein Beispiel.

Nicht nur ausländische Deutsch lernende, sondern auch deutsche Schüler und Studenten empfinden die deutsche Orthographie mitunter als verwirrend. Warum brauchen wir überhaupt eine einheitliche Schriftform, wenn sie Probleme bereitet? 0 Meistens lesen wir ein Wort nicht Buchstabe für Buchstabe, sondern das Schriftbild als Ganzes. Würde die Schreibung beständig wechseln, müssten wir jedes Wort neu „lernen" und ein schnelles Lesen wäre nur noch sehr eingeschränkt möglich. Auch beim Schreiben müssen wir uns ständig überlegen, wie wir ein Wort darstellen. 1

Mit der Herrschaft Karls des Großen (800 n. Chr.) begannen die Versuche, das Lateinische als Schriftsprache durch die Landessprache abzulösen. Dazu übernahm man das System der Lautzuordnung aus dem Lateinischen und bemühte sich, Entsprechungen für die deutschen Laute zu finden. 2 Im Laufe der Schriftentwicklung fanden sich verschiedene Lösungen.

Eine davon war „Schreibe, wie du sprichst", mit ihrem bedeutendsten Vertreter Johann Christoph Adelung. Problematisch an einer solchen Rechtschreibung waren die unterschiedlichen deutschen Dialekte. 3 Sollte eine künstliche „Literatursprache" oder ein bestimmter Dialekt Vorbild für die richtige Schreibung sein? Da Deutschland bis 1871 politisch in viele Einzelstaaten gegliedert war, blieb die Frage ungelöst.

Die zweite war die Festlegung einer einheitlichen Schriftform. Den konsequentesten Versuch hierzu unternahmen Jacob und Wilhelm Grimm ab 1838 in ihrem Deutschen Wörterbuch. 4 Das Streben nach einer Einheit Deutschlands im sprachlichen Bereich deckte sich mit den seit Mitte des 19. Jahrhunderts verstärkten Forderungen nach einer politischen Einheit. Eine Regelung für den gesamten deutschen Sprachraum lag jedoch noch in weiter Ferne.

Im Januar 1876 tagte erstmals in Berlin die I. Orthographische Konferenz, bei der Repräsentanten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sich bemühten, eine einheitlichere Regelung der deutschen Rechtschreibung zu erreichen. 5 Einheitlich geregelt wurde die deutsche Schriftsprache für diese drei Länder auf der II. Orthographischen Konferenz von 1901. Die neue Orthographie nach Duden wurde am 1. April 1903 verbindlich in den Schulen eingeführt. 1996 wurde eine weitere deutsche Rechtschreibreform beschlossen. Regeln und Schreibungen wurden nun von einem halbstaatlichen Gremium, der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung, mit Sitz am Institut für deutsche Sprache in Mannheim, geregelt.

6 Immer wieder wurde der Start verschoben, Änderungen eingefordert und Beschlossenes wieder umgeworfen. Am 1. August 2006 war es aber dann soweit, dass landesweit eine einheitliche Rechtschreibung verbindlich wurde.

Sätze a – h

0 In erster Linie dient die Rechtschreibung dem besseren Verständnis und erleichtert das Lesen.
a Der größte Streitpunkt war deshalb auch die Frage nach der „richtigen" Schriftsprache.
b Die Einführung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert hatte zunächst keinen unmittelbaren Einfluss auf die Vereinheitlichung der Schreibweisen.
c Die Umsetzung dieser Reform erwies sich allerdings als schwieriger, als man sich das wünschte.
d Der Weg zu einer reformierten Rechtschreibung sollte indes lang und steinig werden.
e Die Vorschläge dieser Vertreter wurden in den verschiedenen Staaten unterschiedlich umgesetzt.
f Dieses fremde Alphabet bot jedoch nicht für alle deutschen Sprachlaute eine Möglichkeit der schriftlichen Wiedergabe.
g Die Bedeutung dieses Werks lag nicht nur in der Erstellung einer dialektunabhängigen Schrift, sondern auch in der Entwicklung einer deutschen Hochsprache.
h Bereits im Mittelalter gab es in den Klöstern Bestrebungen, eine für alle verständliche Schriftsprache zu entwickeln.

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