Immer häufiger werden Ärzte und Apotheker nach alternativen Heilmethoden gefragt. Eine Studie ergab, dass fast zwei Drittel der erwachsenen Deutschen mindestens einmal eine Alternative oder Ergänzung zur klassischen Medizin genutzt haben. 0 Eine allgemein gültige Definition gibt es nicht. Häufig werden auch die Begriffe Ganzheitsmedizin oder Naturheilkunde synonym gebraucht. Meist versteht man darunter eine Vielzahl verschiedener medizinischer Praktiken, die genutzt werden, um die körperliche und geistige Gesundheit zu erhalten oder zu verbessern, Erkrankungen vorzubeugen, zu diagnostizieren oder zu heilen. Allen Verfahren gemeinsam ist, dass ihre Vertreter sich abgrenzen wollen von der klassischen „Schulmedizin". Doch auch hier sind die Grenzen fließend. 1 Zu den alternativen Heilmethoden zählt man zum Beispiel: Akupunktur, Homöopathie oder die traditionelle chinesische Medizin. Dabei ist die Wirksamkeit vieler dieser Heilverfahren mindestens umstritten, wenn nicht sogar widerlegt und nicht wenige Mediziner sehen den Trend zu immer mehr alternativen Behandlungsmethoden mit Sorge. 2
Warum aber setzen dennoch so viele modern denkende Menschen Hoffnungen auf alternative Therapien? Fallen sie dabei lediglich auf fragwürdige Heilungsversprechen herein? Eine einfache Antwort auf diese Fragen gibt es wohl nicht. 3 So handeln solche mit eher harmlosen Erkrankungen anders als solche mit ernsten Krankheiten. Auch die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel spielen manchmal eine Rolle.
Trotz des komplexen Bildes kristallisierten sich aus Patientenbefragungen drei besonders wichtige Motive heraus: Zum einen legen viele Patienten Wert auf ein persönliches Verhältnis zu ihrem Arzt. Sie wünschen sich, dass der Arzt den ganzen Menschen sieht und es nicht allein um das kranke Organ geht. Zum anderen sind Patienten heutzutage informierter, wollen häufig einfach eine zweite Meinung hören und aktiv die Behandlung erweitern. Der dritte Grund: Menschen suchen nach Behandlungsformen mit möglichst wenigen Nebenwirkungen. 4 Aber dies ist offenbar den wenigsten Patienten bekannt.
Viele Patienten geben an, nach der alternativen Behandlung gehe es ihnen besser. Schmerzen und andere Symptome hätten abgenommen und die Behandlung wirke bei ihnen besser als Methoden der klassischen Medizin. 5 Psychologen erklären dies so: Wenn man sich für eine Therapie entscheidet, die zu einem passt, wird diese Therapieform positiv bewertet, was schließlich zu einem positiven Effekt für die Heilung führt. Dieser sogenannte „Placebo-Effekt" stellt sich auch bei Behandlungsmethoden ein, deren Wirksamkeit wissenschaftlich widerlegt wurde.
An dieser Stelle zeigt sich der Unterschied zwischen der wissenschaftlichen Herangehensweise und der Erfahrung der Patienten: 6 Hauptsache, es geht ihm besser.