Mit dem Einkaufswagen durch prall gefüllte Regale fahren, nach Lust und Laune zugreifen und am Ende an der Kasse bezahlen: Das ist für uns heute selbstverständlich. Doch bis in die 1960er-Jahre hinein war das Prinzip der Selbstbedienung in Deutschland nahezu unbekannt. Die Idee dazu kam aus den USA und verbreitete sich nach ein paar Anlaufschwierigkeiten auch in Deutschland.
Lange Zeit war der Lebensmitteleinkauf eine umständliche Angelegenheit. Die Kunden mussten verschiedene Geschäfte aufsuchen, ehe gewöhnliche Produkte vorrätig waren. 1 Ein Einkauf dauerte wesentlich länger als heute, war dafür aber auch ein soziales Ereignis.
2 1938 eröffnete Schuitema in Osnabrück einen Drogeriemarkt mit Selbstbedienung. Der Lebensmittelladen Elkofink, ebenfalls ein Vorläufer des deutschen Supermarkts, zeigte, dass solche Geschäfte funktionierten, hatte er sich doch zu einem Dachverband von mehr als 100 Läden entwickelt. Der eigentliche Supermarkt entsteht, als die King-Kullen-Kette Existenz zeigte – ein riesiger Laden, in dem die Kunden ihre Waren selbst aus den Regalen nehmen konnten.
In Deutschland reagierten sowohl Kundschaft als auch Konkurrenz anfangs ausgesprochen skeptisch. Zum einen befürchteten die Händler, dass durch das neue Konzept ein enger Kontakt zu den Kunden zu verlieren. 3 So hatte Supermarkt-Pionier Elkofink ein offenes Ohr. Sein Selbstbedienungsgeschäft von 1938 war kein Erfolg.
1957 wagte er einen neuen Anlauf und eröffnete einen der ersten großen Supermärkte in Köln, wiederum nach amerikanischem Vorbild und mit einer für damalige Verhältnisse riesigen Verkaufsfläche von 1.700 Quadratmetern. Dieser fand sofort viel Anklang: Die Kundenzahl stieg schon bald rasant – ebenso wie die Zahl der Supermärkte in Deutschland. Ein Grund für das Wachstum: 4 Der Massenkonsum begann, und der klassische Lebensmitteleinzelhandel verlor an Bedeutung. Im Schatten der Kaufhäuser und Supermärkte konnten sich nur größere Fachgeschäfte halten. Heute sind Läden, bei denen der Inhaber selbst hinter der Kasse steht, eher ein Fall für Nostalgiker.
Problematisch war es allerdings zunächst, dass die Preise in den Supermärkten relativ hoch waren. Das änderte sich 1962, als die Brüder Karl und Theo Albrecht ihren ersten Discounter eröffneten. Ihr Geschäftsmodell lautete: einfach und günstig. 5 Das Konzept der Discounter gilt als deutsche Besonderheit und wird weltweit exportiert. Seit Anfang der 1970er-Jahre, die ersten Supermärkte die Innenstädte verließen und auf die grüne Wiese gingen, erfolgten lange keine größeren Umbrüche mehr. 6 Bestellt wird online, geliefert bis an die Wohnungstür. Und auch diesmal setzte sich der Trend zuerst in den USA durch.